Der Markt für XRP-Derivate füllt sich wieder. Nach einem harten Einbruch Ende August fließt Kapital in die Terminmärkte zurück, während der XRP-Kurs sich erstaunlich stabil hält. Interessant für dich ist vor allem, was unter der Oberfläche passiert: Eine Analyse von Cryptoquant beschreibt die aktuelle Marktstruktur als ungewöhnlich, weil aggressive Verkäufer trotz der Kurserholung weiter Druck machen.
Was Open Interest überhaupt aussagt
Open Interest ist die Summe aller offenen Terminkontrakte, die noch nicht geschlossen wurden. Vereinfacht: Es zeigt, wie viel Geld gerade auf steigende oder fallende Kurse wettet. Steigt der Open Interest, kommt frisches Kapital in den Markt. Fällt er, ziehen sich Trader zurück oder werden aus ihren Positionen gedrängt.
Genau das passierte Ende August. Die Sieben-Tage-Veränderung des Open Interest stand am 29. August bei minus 27 Prozent, ein Zeichen dafür, dass reihenweise Positionen aufgelöst wurden. Inzwischen hat sich dieser Wert kräftig gedreht und liegt laut Cryptoquant wieder im Plus, ein Sprung von rund 28 Punkten. Wer die Details nachlesen will, findet sie in der Auswertung von Cryptoquant.

Warum die Struktur als ungewöhnlich gilt
Das Auffällige ist die Kombination. Normalerweise erwartet man, dass ein stabiler oder steigender Kurs auch von Kauflaune getragen wird. Bei XRP ist das gerade nicht der Fall. Der sogenannte Perpetual CVD, also die kumulierte Differenz aus aktivem Kauf- und Verkaufsvolumen bei Dauerkontrakten, ist auf ein neues Tief gefallen.
Übersetzt heißt das: Die Trader, die sofort zum verfügbaren Preis verkaufen, die sogenannten Taker, drücken aktiv auf die Verkaufsseite. Trotzdem gibt der Kurs nicht nach. Irgendjemand nimmt diese Verkäufe also auf und stützt den Preis, während an der Oberfläche verkauft wird.
Was das für dich bedeutet
Konkret heißt das: Wer XRP nur hält und nicht mit Hebel handelt, merkt von all dem erst mal nichts. Diese Daten stammen aus den Terminmärkten und betreffen vor allem aktive Trader, die auf kurzfristige Bewegungen setzen. Für sie ist die Lage aber heikel, weil ein Markt mit steigendem Open Interest und gleichzeitig starkem Verkaufsdruck schnell kippen kann.
Zwei Szenarien liegen auf dem Tisch. Halten die Käufer den Druck weiter aus, könnte das den Verkäufern die Luft nehmen und einen Short Squeeze auslösen, bei dem Wetten auf fallende Kurse zwangsweise glattgestellt werden und den Preis nach oben treiben. Geben die Käufer dagegen nach, trifft der aufgelaufene Verkaufsdruck auf einen dünnen Markt, und es geht schnell abwärts.
Welche Richtung sich durchsetzt, lässt sich an denselben Kennzahlen ablesen. Dreht der Perpetual CVD wieder nach oben, kehren die Käufer zurück. Bleibt er auf seinem Tief und der Open Interest steigt trotzdem weiter, baut sich hinter der stabilen Kursfassade weiter Verkaufsdruck auf. Ein fester Zeitpunkt für die Auflösung dieser Spannung steht nicht fest, die Struktur selbst ist der Hinweis, dass etwas in Bewegung kommt.



