Smartphone mit XRP-Logo vor der Euro-Skulptur und dem Gebäude der Europäischen Zentralbank in Frankfurt
Annika Vogt17:13 Uhr

XRP für den digitalen Euro? Altes Dokument entfacht Debatte neu

In der XRP-Community kursiert wieder ein älteres Dokument, das XRP mit dem digitalen Euro in Verbindung bringt. Verbreitet hat es der bekannte XRP-Account SMQKE auf X, und die Reaktionen sind entsprechend euphorisch. Für dich ist vor allem eine Frage wichtig: Steckt dahinter eine echte Entscheidung, oder wird hier ein alter Fund neu aufgewärmt?

@SMQKEDQG auf X: SMQKE @SMQKEDQG · Follow Remember: The Bank of France openly discussed XRP as a possible platform to issue the Digital Euro. This is documented. SMQKE @SMQKEDQG Christine Lagarde revealed that she just met with the payment providers for the upcoming digital euro. Brag Garlinghouse p
Quelle: @SMQKEDQG auf X

Was in dem Papier steht und was nicht

Das Dokument ist nicht neu. Es nennt XRP im Zusammenhang mit Überlegungen rund um eine digitale Version des Euro. In der Community wird daraus schnell eine Geschichte gesponnen, nach der Frankreich XRP offiziell für den digitalen Euro ausgewählt habe.

Genau dieser Schritt fehlt aber. Einen Beleg dafür, dass Frankreich oder eine andere Stelle sich offiziell auf XRP festgelegt hat, gibt es bis heute nicht. Ein Bericht, der eine Technologie erwähnt oder untersucht, ist etwas anderes als ein Beschluss, sie einzusetzen.

Wer über den digitalen Euro entscheidet

Hier lohnt ein Blick auf die Zuständigkeit. Der digitale Euro ist kein französisches Projekt. Federführend ist die Europäische Zentralbank, die gemeinsam mit den nationalen Notenbanken des Euroraums daran arbeitet, also auch mit der Bundesbank und der Banque de France. Den rechtlichen Rahmen müssen die EU-Gesetzgeber schaffen.

Einzelne Zentralbanken haben in der Vergangenheit verschiedene Technologien getestet, auch Blockchain-Lösungen für den Zahlungsverkehr zwischen Banken. Solche Experimente sind Testläufe. Sie sagen wenig darüber, welche Infrastruktur am Ende tatsächlich für ein Zentralbankgeld im Alltag genutzt wird.

Konkret heißt das: Selbst wenn eine nationale Notenbank einmal mit einer bestimmten Technologie experimentiert hätte, wäre das keine Vorentscheidung für den gesamten Euroraum. Und dass eine öffentliche Kryptowährung wie XRP als Herzstück des digitalen Euro dient, hat die EZB nie angekündigt.

Warum solche Geschichten immer wiederkommen

Ripple positioniert sich seit Jahren als Partner für Banken und Zentralbanken und hat mit einigen Ländern an Pilotprojekten für digitale Währungen gearbeitet. Das gibt den Spekulationen einen echten Kern. Daraus wird in sozialen Medien aber oft mehr gemacht, als die Faktenlage hergibt.

Dazu kommt ein Muster: Ältere Dokumente tauchen auf, werden ohne Datum oder Zusammenhang geteilt und wirken dadurch wie aktuelle Nachrichten. Gut zu wissen ist auch, dass eine Ripple-Partnerschaft und eine Nutzung des Tokens XRP zwei verschiedene Dinge sind. Viele Bankenlösungen von Ripple kommen ganz ohne den Token aus.

Was der digitale Euro für dich ändern würde

Für Menschen in Deutschland und Österreich ist der digitale Euro durchaus relevant. Er soll Bargeld ergänzen und digitales Bezahlen direkt mit Zentralbankgeld ermöglichen, etwa über eine Wallet auf dem Smartphone. Welche Technik dahinter läuft, würdest du im Alltag allerdings kaum bemerken.

Wer XRP hält, sollte die aktuelle Aufregung deshalb nüchtern einordnen. Eine Kursfantasie auf Basis eines alten Dokuments steht auf wackligen Füßen, solange keine offizielle Stelle etwas bestätigt.

Woran sich eine echte Entscheidung erkennen ließe

Eine tatsächliche Technologiewahl für den digitalen Euro würde nicht über einen Community-Account auf X bekannt werden. Sie stünde in Veröffentlichungen der EZB, in Ausschreibungen oder in Mitteilungen der beteiligten Notenbanken. Taucht XRP dort einmal namentlich als gewählte Lösung auf, wäre das eine Nachricht. Bis dahin bleibt das Dokument ein alter Fund, der eine Möglichkeit beschreibt, aber keinen Beschluss.

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