Bitcoin-Logo an einer Gebäudefassade mit Strategy-Schriftzug bei Tageslicht
Tobias Reinhardt06:57 Uhr

Strategy: Bitcoin muss 83 Prozent fallen, damit STRC 1x erreicht

Strategy Inc. (Nasdaq: MSTR) hat eine Grafik veröffentlicht, die eine einfache Botschaft transportieren soll: Der Bitcoin-Kurs müsste um 83 Prozent einbrechen, bevor die Vorzugsaktie STRC ein sogenanntes 1x BTC Rating erreicht. Das Unternehmen ordnet damit das Risiko seiner Vorzugspapiere gegen den Kurs seiner zentralen Reserve ein. Die Zahl klingt beruhigend, doch sie ergibt sich aus einem internen Modell, das genaues Hinsehen verlangt.

Was Strategy mit der Grafik beantwortet

Strategy finanziert seine Bitcoin-Käufe zu einem großen Teil über Vorzugspapiere. Wer diese Papiere hält, will wissen, wie viel Puffer zwischen ihm und einem Ausfall liegt. Genau darauf zielt die Darstellung vom 1. September: Sie ordnet die einzelnen Vorzugsklassen jeweils einem Bitcoin-Kursniveau zu, ab dem die Deckung kritisch würde. Für STRC liegt dieser Schwellenwert dem Modell zufolge erst bei einem Kursrückgang von 83 Prozent.

Der Mechanismus hinter dem BTC Rating

Der Zusammenhang ist einfacher, als er klingt. Strategy hält Bitcoin als Vermögenswert und hat darauf Verbindlichkeiten in Form von Vorzugspapieren begeben. Je mehr Bitcoin je Papier hinterlegt ist, desto dicker das Polster. Fällt der Kurs, schrumpft dieser Wert, und der Abstand zwischen Deckung und Verpflichtung wird kleiner. Ein 1x BTC Rating markiert den Punkt, an dem die zugrunde liegenden Bitcoin gerade noch die jeweilige Klasse abdecken. Bei STRC ist dieser Abstand laut Unternehmen besonders groß, weil das Papier innerhalb der Kapitalstruktur weiter vorne bedient wird als andere Klassen.

Wichtig ist, wer hier rechnet. Die 83 Prozent stammen aus Strategys eigener Kalkulation, nicht aus einer externen Ratingagentur. Das Unternehmen hat ein Interesse daran, seine Papiere als robust darzustellen, denn günstige Finanzierung hängt am Vertrauen der Käufer. Die Grafik ist damit eine Argumentation, keine neutrale Bewertung. Wer die einzelnen Kennzahlen nachvollziehen will, findet sie in Strategys eigener Übersicht zu den Kreditmetriken.

Warum die Zahl mit Vorsicht zu lesen ist

Ein Modellwert wie 83 Prozent gilt nur unter den Annahmen, die ihm zugrunde liegen. Er unterstellt, dass sich die Kapitalstruktur nicht verändert und keine neuen Papiere zwischen Bitcoin und STRC geschoben werden. Strategy begibt jedoch laufend frische Vorzugsklassen, um weitere Bitcoin zu kaufen. Jede neue Emission verändert die Reihenfolge, in der im Ernstfall bedient wird. Der Puffer von heute ist deshalb keine feste Größe, sondern hängt daran, wie das Unternehmen künftig finanziert.

Dazu kommt die Frage, wie schnell ein solcher Kursrückgang abliefe. Ein Einbruch um 83 Prozent würde kein isoliertes Ereignis bleiben, sondern die gesamte Bewertung von Strategy erfassen, also auch den Aktienkurs und den Zugang zu neuem Kapital. Ähnlich lief es zuletzt in scharfen Marktphasen, in denen Refinanzierung genau dann teuer wurde, als sie am dringendsten war. Die reine Kursschwelle blendet diesen zweiten Effekt aus.

Woran sich die Belastbarkeit ablesen lässt

Ob der ausgewiesene Puffer trägt, zeigt sich weniger an der einen Grafik als an den Konditionen kommender Emissionen. Muss Strategy für neue Vorzugspapiere spürbar höhere Renditen bieten, zweifeln Anleger an der Deckung, unabhängig davon, was das interne Modell ausweist. Bleiben die Konditionen dagegen stabil, spricht das dafür, dass der Markt die Einordnung des Unternehmens mitträgt. Für europäische Anleger, die Strategy oft als indirekten Bitcoin-Zugang nutzen, ist genau dieser Refinanzierungskanal der Punkt, an dem sich Robustheit oder Schwäche zuerst bemerkbar macht.

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