Michael Saylor spricht auf einer Konferenzbühne vor einer Leinwand mit Bitcoin-Symbol und Dollarzeichen
Tobias Reinhardt07:02 Uhr

Saylor erklärt, woher Strategy die Dollar für Dividenden nimmt

Bitcoin wirft keinen Kupon ab, Strategy zahlt den Inhabern seiner Vorzugsaktien trotzdem regelmäßig Dollar aus. Michael Saylor hat jetzt erklärt, wie das Unternehmen diese Lücke schließt: über Kapitalaufnahme am Markt, eine Bargeldreserve und unterschiedlich ausgestaltete Anlegerrechte. Die Frage dahinter ist wichtig, weil inzwischen ein ganzes Ertragsprodukt auf einem Vermögenswert aufbaut, der selbst nichts ausschüttet.

Bitcoin als Kapital, Dollar als Ertrag

Strategy trennt zwei Rollen. Bitcoin ist die Bilanzbasis, also das Vermögen, das Kreditgebern und Vorzugsaktionären als Deckung dient. Die laufenden Zahlungen an die Anleger fließen dagegen in Dollar. Das Unternehmen beschreibt dieses Modell in einem eigenen Beitrag darüber, wie Strategy digitalen Kredit konstruiert. Bitcoin soll dort langfristig im Wert steigen, während die Dividenden aus anderen Quellen kommen.

Besonders sichtbar wird das bei STRC, der Vorzugsaktie mit variabler Dividende. Laut einer Meldung an die US-Börsenaufsicht SEC schüttet Strategy hier zweimal im Monat aus. Häufigere Zahlungen machen das Papier für Anleger interessant, die einen planbaren Zahlungsstrom suchen. Sie erhöhen aber auch den Takt, in dem das Unternehmen Dollar bereithalten muss.

Die Kette hinter der Ausschüttung

Der Mechanismus lässt sich in wenigen Schritten beschreiben. Strategy gibt neue Aktien oder Vorzugsaktien aus und erhält dafür Dollar. Ein Teil davon fließt in Bitcoin, ein anderer Teil in eine Reserve, aus der Dividenden und Finanzierungskosten bezahlt werden. Solange Anleger bereit sind, für Strategy-Aktien mehr zu zahlen, als der Bitcoin-Bestand pro Aktie wert ist, finanziert sich diese Kette fast von selbst: Jede neue Emission bringt mehr Dollar ein, als sie die bestehenden Aktionäre an Bitcoin pro Aktie kostet.

Am anderen Ende hängt der Aufschlag auf den Nettovermögenswert. Schrumpft er, wird jede neue Stammaktie teurer für die Altaktionäre, weil sie den Bitcoin-Anteil pro Aktie verwässert. Dann rückt die Bargeldreserve in den Vordergrund. Reicht auch die nicht, bliebe als letzter Hebel der Verkauf von Bitcoin, also genau das, was das Geschäftsmodell eigentlich vermeiden soll. Wer zuerst merkt, dass die Kette Spannung bekommt, sind daher die Stammaktionäre, nicht die Inhaber der Vorzugsaktien.

Unterschiedliche Rechte, unterschiedliche Rangfolge

Saylor betont, dass die verschiedenen Wertpapiere nicht gleich behandelt werden. Einige Vorzugsaktien sehen kumulierte Dividenden vor: Fällt eine Zahlung aus, wird sie nachgeholt. Andere tun das nicht, bieten dafür aber einen höheren Ertrag. Stammaktionäre stehen ganz hinten und erhalten keine Ausschüttung, sondern setzen auf den Wertzuwachs von Bitcoin. Diese Staffelung verteilt das Risiko bewusst. Wer Sicherheit will, verzichtet auf Kurschancen. Wer Kurschancen will, trägt die Schwankung.

Interessen sind dabei klar verteilt. Saylor ist Gründer und größter Stimmrechtsinhaber von Strategy, und das Unternehmen braucht das Vertrauen der Ertragsanleger, um weiter Kapital einzusammeln. Die Erklärung ist also auch Werbung für ein Produkt, das von stetiger Nachfrage lebt.

Vergleich mit klassischen Anleihen

Bei einer Unternehmensanleihe kommt der Kupon aus dem operativen Geschäft: Ein Industriekonzern verkauft Produkte und bezahlt daraus seine Zinsen. Bei Strategy ist das Softwaregeschäft im Verhältnis zur Bitcoin-Bilanz klein. Der Kupon hängt daher weniger an Umsätzen als am Zugang zum Kapitalmarkt. Das ist kein Konstruktionsfehler, aber eine andere Art von Abhängigkeit, die in ruhigen Marktphasen kaum auffällt.

Ob das Modell auch unter Druck trägt, zeigt sich weniger an den Dividendenterminen selbst als an der Finanzierung dazwischen. Aufschlussreich sind die regelmäßigen Meldungen an die SEC: Steigt der Anteil der Emissionserlöse, der in die Reserve statt in Bitcoin fließt, oder schrumpft die Reserve zwischen zwei Quartalen, dann trägt die Kette spürbar mehr Last als bisher.

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