Bei der US-Börsenaufsicht SEC läuft eine Auseinandersetzung darüber, wie schnell, wie gut und wie günstig die nächste Generation von Krypto-ETFs auf den Markt kommt. Auf der einen Seite stehen Grayscale, der Wagniskapitalgeber A16z und das Crypto Council for Innovation, die auf Tempo drängen. Auf der anderen Seite mahnen die etablierten Finanzhäuser Jane Street und Charles Schwab zur Vorsicht. Welche Seite die SEC bevorzugt, entscheidet mit darüber, welche Produkte Anleger künftig bekommen.
Worum der Streit geht
Kern der Debatte sind die Zulassungsregeln für neuartige ETFs, also börsengehandelte Fonds auf Kryptowerte jenseits von Bitcoin und Ethereum. Die SEC hatte um Stellungnahmen zu diesen “Novel ETFs” gebeten. Die eingereichten Antworten liegen öffentlich vor und zeigen zwei Lager mit gegensätzlichen Interessen. Die Krypto-nahen Akteure wollen klare, standardisierte Kriterien, unter denen ein Produkt zügig an die Börse darf. Die traditionellen Handelshäuser wollen mehr Prüftiefe, bevor ein Fonds gelistet wird.
Die Positionen lassen sich in den veröffentlichten Stellungnahmen zu den “Novel ETFs” nachlesen. Grayscale und das Crypto Council argumentieren, ein festes Regelwerk beschleunige die Zulassung und schaffe Rechtssicherheit. Jane Street und Schwab verweisen auf Liquidität, Verwahrung und Marktmanipulation, die sich bei kleineren Token schwerer beherrschen lassen.
Der Mechanismus dahinter
Die Kette ist einfacher, als sie klingt. Bislang prüft die SEC jeden ETF-Antrag einzeln, was Monate kostet und den Ausgang unsicher macht. Legt die Aufsicht dagegen allgemeine Listing-Standards fest, muss ein Anbieter nur noch nachweisen, dass sein Produkt die Kriterien erfüllt. Der Genehmigungsschritt entfällt weitgehend, und neue Fonds erreichen den Markt in Wochen statt in Monaten.
Für die beteiligten Parteien hängt daran Geld. Wer als Erster ein Produkt auf einen bestimmten Token bringt, sichert sich die Zuflüsse und damit die Gebühren. Schnelle Standards nützen also den Emittenten wie Grayscale. Wer dagegen im Handel und in der Marktinfrastruktur verdient, hat weniger Eile und mehr Interesse an strengen Voraussetzungen. Die jeweilige Position spiegelt somit weniger eine reine Sicherheitsfrage als das eigene Geschäftsmodell.
Was für Anleger auf dem Spiel steht
Für Anlegerinnen und Anleger geht es um drei Größen: Tempo, Qualität und Kosten. Schnellere Zulassungen bedeuten mehr Auswahl und tendenziell niedrigere Gebühren, weil der Wettbewerb zunimmt. Strengere Prüfungen versprechen dagegen robustere Produkte, die weniger anfällig für dünne Liquidität oder Kursmanipulation sind. Beides gleichzeitig lässt sich schwer haben.
Ein Blick zurück ordnet das ein. Der Durchbruch der Spot-Bitcoin-ETFs Anfang 2024 hat gezeigt, wie stark ein regulatorisch abgesegnetes Produkt Kapital anziehen kann. Genau diese Erfahrung treibt beide Lager: Die einen wollen den Effekt auf weitere Kryptowerte ausdehnen, die anderen die Risiken einer zu breiten Öffnung begrenzen.
Woran sich der Ausgang ablesen lässt
Auch für den europäischen und deutschsprachigen Markt ist die Richtung relevant. Setzen sich in den USA einheitliche Listing-Standards durch, erhöht das den Druck, ähnliche Produkte innerhalb des europäischen Regelrahmens MiCA anzubieten. Ob die SEC dem Tempo-Lager folgt, zeigt sich weniger an einzelnen Aussagen als daran, ob sie tatsächlich generische Zulassungskriterien in Kraft setzt. Bleibt es beim Einzelfallverfahren, hat sich das Vorsichts-Lager durchgesetzt, unabhängig davon, wie die offiziellen Formulierungen klingen.



