Ripple rechnet seinem Dollar-Stablecoin RLUSD ein sehr großes Feld zu. Jack McDonald, bei Ripple für die Stablecoin-Sparte zuständig, beziffert die Chance in den Kassen von Unternehmen weltweit auf rund 13 Billionen Dollar. Der Token kommt derzeit auf ein Volumen von etwa 2,4 Milliarden Dollar und soll unter der europäischen MiCA-Regulierung auch in Europa an den Start gehen.
Was hinter der 13-Billionen-Zahl steckt
Die genannte Summe bezieht sich nicht auf RLUSD selbst, sondern auf das Geld, das Firmen kurzfristig parken: Betriebsmittel, Reserven, Liquidität für Zahlungen. Genau dieses Kapital will Ripple mit einem regulierten Dollar-Token adressieren. Wachstumstreiber seien laut McDonald der Zahlungsverkehr und die Kapitalmärkte, wie CoinDesk berichtet.
Der Mechanismus dahinter
Die Kette ist überschaubar. Ein Stablecoin ist ein digitaler Dollar, der eins zu eins durch Reserven gedeckt sein soll, meist durch kurzlaufende Staatsanleihen und Bankguthaben. Für Unternehmen liegt der Reiz darin, dass sich Geld damit rund um die Uhr und über Grenzen hinweg bewegen lässt, ohne den Umweg über das klassische Bankennetz mit seinen Öffnungszeiten. Wer heute Zahlungen zwischen Ländern abwickelt, wartet oft Tage und zahlt Gebühren an mehrere Zwischenbanken. Ein Token wie RLUSD verspricht denselben Vorgang in Minuten.
Damit steht Ripple aber nicht allein. Der Markt für Dollar-Stablecoins wird von Tether und Circle dominiert, deren Volumen jeweils ein Vielfaches der 2,4 Milliarden Dollar von RLUSD ausmacht. Ripples Vorteil liegt weniger in der Größe als im Vertriebsweg: die Firma pflegt seit Jahren Kontakte zu Banken und Zahlungsdienstleistern, die genau jene Firmenkassen verwalten, die McDonald meint.
MiCA öffnet die europäische Tür
Der geplante Schritt nach Europa läuft über MiCA, das einheitliche Krypto-Regelwerk der EU. Für Stablecoins gelten dort strenge Vorgaben: klare Reservepflichten, Aufsicht durch eine europäische Behörde, Grenzen für sehr große Token. Ein Anbieter, der diese Hürde nimmt, darf seinen Coin in allen Mitgliedsstaaten anbieten. Für Ripple ist das der Zugang zum gemeinsamen Markt, für die Konkurrenz war dieselbe Regel bereits ein Problem: Tether hat sich der MiCA-Zulassung bislang verweigert, wodurch mehrere europäische Börsen den größten Stablecoin für Kundinnen und Kunden im EWR eingeschränkt haben.
Für deutsche und österreichische Firmen ist dieser Punkt der eigentlich relevante. Ein Stablecoin, der unter MiCA reguliert ist, lässt sich rechtlich anders behandeln als ein Token ohne europäische Zulassung. Ob Treasury-Abteilungen tatsächlich umsteigen, hängt aber weniger an der Zulassung als an der Frage, ob Banken und Prüfer den Token akzeptieren und ob die Reserven transparent bleiben.
Woran sich der Anspruch messen lässt
Eine Marktprognose von 13 Billionen Dollar ist zunächst eine Aussage der Partei, die davon profitieren würde. Ripple hat ein Interesse daran, das Feld groß zu zeichnen, denn ein wachsender Stablecoin stützt das gesamte Ökosystem rund um das XRP Ledger, auf dem RLUSD läuft. Ob das Momentum trägt, zeigt sich nicht an solchen Zielzahlen, sondern am tatsächlichen Volumen des Tokens in den kommenden Monaten und an der Frage, ob die MiCA-Zulassung wirklich kommt. Bleibt RLUSD nahe seiner heutigen Größe, war die 13-Billionen-Zahl vor allem eine Ansage zum Markt und noch kein Beleg.



