Das Kapitol von Kalifornien mit wehender Staatsflagge bei hellem Tageslicht
Tobias Reinhardt17:23 Uhr

Prop 40: Ripple-Chairman Larsen gegen sechs Nobelpreisträger

In Kalifornien läuft ein Abstimmungskampf, der die Krypto-Branche direkt betrifft. Am 19. September stellten sich sechs Wirtschaftsnobelpreisträger hinter Proposition 40, eine einmalige Vermögensteuer von fünf Prozent auf das Vermögen der Milliardäre des Bundesstaates. Auf der Gegenseite steht Chris Larsen, Verwaltungsratschef von Ripple, der bereits mehr als zehn Millionen Dollar in die Kampagne gegen die Vorlage gesteckt hat.

Was Proposition 40 vorsieht

Die Vorlage erreicht am 3. November die Wahlurnen. Sie sieht eine einmalige Abgabe von fünf Prozent auf das Vermögen der reichsten Einwohner Kaliforniens vor. Nach der von den Ökonomen unterstützten Rechnung stehen rund 100 Milliarden Dollar auf dem Spiel, die der Bundesstaat auf diese Weise mobilisieren könnte. Dass gleich sechs Nobelpreisträger ihren Namen dafür hergeben, verschafft der Kampagne Gewicht, wie der Bericht zur Auseinandersetzung festhält.

Warum ein XRP-Vermögen hier besonders empfindlich ist

Der Mechanismus ist einfacher, als er klingt. Eine Vermögensteuer greift nicht auf Einkommen zu, sondern auf den Bestand: gezählt wird, was jemand besitzt, nicht was er verdient. Für einen Krypto-Milliardär macht das einen großen Unterschied. Ein erheblicher Teil solcher Vermögen steckt in Token, deren Wert stark schwankt und die oft gar nicht verkauft wurden. Fällt eine feste Abgabe auf diesen Bestand an, muss der Betroffene entweder liquide Mittel bereithalten oder Bestände verkaufen, um die Rechnung zu bezahlen.

Genau an diesem Punkt liegt Larsens Interesse offen. Sein Vermögen ist eng mit XRP verbunden, dem Token, der im Ripple-Umfeld eine zentrale Rolle spielt. Eine Abgabe auf den Vermögensbestand träfe einen Halter großer Token-Positionen unmittelbar. Dass er zweistellige Millionenbeträge gegen die Vorlage einsetzt, ordnet sich in dieses Kalkül ein. Wer eine Position hat, verteidigt sie, und diese Position benennt der Fall selbst.

Die Front verläuft nicht entlang der üblichen Linien

Ungewöhnlich ist die Aufstellung. Auf der einen Seite steht akademische Autorität, die einer Umverteilung wissenschaftliche Rückendeckung gibt. Auf der anderen Seite steht privates Kapital, das mit Kampagnenmitteln gegenhält. Für die Krypto-Branche ist der Fall deshalb mehr als eine kalifornische Lokalfrage. Er zeigt, wie ein einzelner steuerpolitischer Hebel große Token-Vermögen erfassen kann, sobald der Bestand und nicht der Verkauf zur Bemessungsgrundlage wird.

Für den deutschsprachigen Raum ist das eine andere Logik als die vertraute. In Deutschland zielt die Diskussion bei Krypto vor allem auf die Besteuerung von Veräußerungsgewinnen und die einjährige Haltefrist bei privaten Veräußerungsgeschäften. Eine Vermögensteuer würde dagegen den Bestand selbst treffen, unabhängig davon, ob überhaupt verkauft wurde. Das kalifornische Modell macht diesen Unterschied sichtbar.

Woran sich der Ausgang ablesen lässt

Ob die Vorlage durchkommt, entscheidet sich am 3. November an der Urne, nicht am Kurs von XRP. Die Höhe der Ausgaben auf beiden Seiten ist dabei ein Indikator, wie eng das Rennen eingeschätzt wird. Setzt Larsen weit über die bisherigen zehn Millionen Dollar hinaus nach, spricht das für einen Abstimmungskampf, dessen Ausgang offen ist. Bleibt es dabei, deutet das eher auf eine Vorentscheidung hin. Sollte eine solche Abgabe in Kalifornien Bestand haben, wäre sie eine Vorlage, an der sich andere Bundesstaaten orientieren könnten.

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