Ripple gehört nicht mehr der Arbeitsgruppe der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) für grenzüberschreitende Zahlungen an. Das Unternehmen war der Gruppe 2023 beigetreten. Die Bestätigung kommt wenige Wochen nach einem Forschungspapier der BIZ zum XRP Ledger, das in der Branche viele Fragen ausgelöst hat. Wie beides zusammenhängt, haben bisher weder Ripple noch die BIZ erklärt.
Ein stiller Abgang aus Basel
Die BIZ mit Sitz in Basel gilt als Bank der Zentralbanken. Die Deutsche Bundesbank gehört genauso zu ihren Anteilseignern wie die Schweizerische Nationalbank und die Oesterreichische Nationalbank. In ihren Arbeitsgruppen stimmen Notenbanken, Aufseher und ausgewählte Akteure aus der Privatwirtschaft technische Standards ab. Grenzüberschreitende Zahlungen stehen dabei weit oben auf der Liste, denn die G20 wollen sie schneller, billiger und transparenter machen.
Ripple hatte den Beitritt 2023 als Bestätigung seines Geschäftsmodells verkauft. Den Grund für das Ende der Mitgliedschaft nennt das Unternehmen nicht. Offen bleibt auch, ob Ripple selbst gegangen ist oder ob das Mandat einfach ausgelaufen ist. Aus den bisher bekannten Angaben lässt sich das nicht ablesen.
Warum ein Sitz am Tisch mehr ist als Symbolik
Der Zusammenhang ist einfach. Banken entscheiden über neue Zahlungsinfrastruktur nicht allein nach der Technik. Sie fragen vor allem, ob die Aufsicht sie akzeptieren wird. Ein Anbieter, der in einem Gremium der Zentralbanken mitredet, liefert ihnen genau dieses Signal: Die Regulierer kennen das System und haben es schon einmal geprüft. Fällt dieser Platz weg, bleibt die Technik zwar dieselbe. Das Argument im Vertrieb verliert aber ein Stück seiner Kraft, und das spüren zuerst die Bankkunden, die Ripple gewinnen will.
Das BIZ-Papier und die offenen Fragen
Zeitlich fällt der Abgang mit einer Veröffentlichung zusammen, die in der Krypto-Szene aufmerksam gelesen wurde. Die BIZ hatte ein Arbeitspapier zu überprüfbaren amtlichen Statistiken auf Blockchain-Basis herausgebracht, in dem der XRP Ledger eine zentrale Rolle spielt. Beobachter wollten wissen, wie diese Wahl zustande kam und ob die BIZ und Ripple dabei zusammengearbeitet hatten. Eine Antwort darauf steht bis heute aus.
Inhaltlich richtet sich die Kritik auf zwei Punkte. Der erste ist die Dezentralisierung. Ein Blockchain-Explorer zählte 192 Validatoren im XRP Ledger. Ethereum kam laut Token Terminal auf mehr als 882.000 Validatoren. Bei einem System, das amtliche Statistiken unveränderlich absichern soll, ist die Frage nach der Zahl der Prüfer keine Nebensache.
Der zweite Punkt betrifft die Datenhaltung. Die Entwickler des XRP Ledger räumen in ihrer Dokumentation zur vollständigen Historie ein, dass Knoten die gesamte Transaktionsgeschichte standardmäßig nicht speichern und dass das nur mit großem Aufwand möglich ist. Für eine Anwendung, die ausdrücklich auf spätere Überprüfbarkeit setzt, ist das ein heikler Punkt.
Wie Ripple im Zahlungsmarkt dasteht
Für Ripple kommt der Abgang in einer Phase, in der das Unternehmen sich von der Rolle des reinen Anbieters für Zahlungen löst. Es baut sein Geschäft mit Verwahrung und dem eigenen Stablecoin aus. Gleichzeitig hält das Unternehmen weiter einen großen Teil des XRP-Angebots. Genau diese Nähe zwischen Firma und Token macht Aufseher bei Institutionen wie der BIZ traditionell vorsichtig.
Ob der Abschied mehr ist als eine Personalie, dürfte sich an den nächsten Veröffentlichungen aus Basel zeigen. Taucht der XRP Ledger dort weiter als Beispiel auf, oder bekommen Ripple und die BIZ die offenen Fragen zum Arbeitspapier geklärt, spricht wenig für einen Bruch. Bleiben beide stumm und verschwindet XRPL aus der weiteren Forschung, gewinnt die Lesart an Gewicht, dass die Verbindung bewusst gelöst wurde.



