Robert Kiyosaki hält auf der Straße eine Bitcoin-Münze in die Kamera
Tobias Reinhardt07:01 Uhr

Kiyosaki nennt Bitcoin eine Versicherung gegen den Geldwertverlust

Robert Kiyosaki, Autor des Bestsellers „Rich Dad Poor Dad“, hat seine Haltung zu Bitcoin erneut erklärt. Bitcoin zu halten sei für ihn kein Ausdruck von Weltuntergangsstimmung, sondern eine Vorsichtsmaßnahme, vergleichbar mit einer Versicherung. Die Aussage ist weniger als Kurssignal interessant, sondern als Beispiel für eine Denkweise, die unter Bitcoin-Haltern weit verbreitet ist.

Vorsorge statt Pessimismus

Kiyosaki wehrt sich gegen den Vorwurf, wer mit Krisen rechne, sei grundsätzlich negativ eingestellt. Sein Argument: Man könne optimistisch in die Zukunft blicken und trotzdem sein Vermögen gegen Störungen absichern. Einen Teil des Vermögens außerhalb staatlich ausgegebener Währung zu halten, gehört in seinem Verständnis zu genau dieser Absicherung. Er selbst beschreibt das als Ansatz eines „Financial Preppers“, also eines Menschen, der finanziell für den Ernstfall vorsorgt.

@theRealKiyosaki auf X: Robert Kiyosaki @theRealKiyosaki · Follow WHY I AM A PREPPER Speaking to a group the other day I mentioned I was a prepper. A woman raised her hand and asked “If you are a prepper, aren’t you being pessimistic? Isn’t positive thinking healthier? I replied “Do you have insuran
Quelle: @theRealKiyosaki auf X

Neu ist die Position nicht. Kiyosaki warnt seit Jahren vor Crashs und Schuldenkrisen und empfiehlt regelmäßig Gold, Silber und Bitcoin. Er verdient sein Geld mit Büchern und Finanzbildung, und Warnungen vor dem Zusammenbruch sind ein fester Bestandteil dieser Marke. Das macht seine Argumente nicht falsch, gehört aber zur Einordnung.

Die Kette hinter dem Versicherungsgedanken

Der Gedanke folgt einer einfachen Mechanik. Notenbanken steuern die Geldmenge, und steigen die Verbraucherpreise, kauft derselbe Betrag Geld weniger Waren. Wie diese Veränderungen der Verbraucherpreise gemessen werden, erläutert die US-Notenbank selbst. Wer Ersparnisse ausschließlich in Währung hält, trägt diesen Kaufkraftverlust vollständig. Ein Gut mit fest begrenzter Menge kann von der Notenbank nicht vermehrt werden. Darauf stützt sich die These, Bitcoin schütze vor genau dem Risiko, das im Geldsystem selbst liegt.

Eine Versicherung funktioniert nach demselben Muster: Man zahlt laufend eine Prämie für Schutz in einem Fall, der vielleicht nie eintritt. Bei Bitcoin besteht die Prämie nicht aus einem festen Beitrag, sondern aus starken Kursschwankungen und dem Verzicht auf Zinsen, die Anleihen oder Tagesgeld abwerfen.

Wo der Vergleich an Grenzen stößt

Eine klassische Police zahlt, wenn der Schaden eintritt. Bitcoin hat diese Eigenschaft bisher nicht verlässlich gezeigt. Im März 2020, als die Pandemie die Märkte erfasste, fiel der Kurs zunächst gemeinsam mit Aktien deutlich. In akuten Stressphasen verkaufen Anleger oft, was sich schnell zu Geld machen lässt, und dazu gehört Bitcoin. Die Schutzwirkung zeigte sich, wenn überhaupt, erst über längere Zeiträume und im Zusammenspiel mit der lockeren Geldpolitik danach.

Gold hat in diesem Punkt eine längere Bilanz als Krisenwährung. Bitcoin konkurriert um dieselbe Rolle, ist aber deutlich jünger und schwankungsanfälliger. Ob sich das mit zunehmender Verbreitung durch ETFs und institutionelle Halter ändert, lässt sich an einzelnen Episoden nicht ablesen.

Der Zeithorizont entscheidet über die Logik

Der Versicherungsgedanke setzt voraus, dass die Position lange gehalten wird. Wer nach jedem Rücksetzer verkauft, zahlt die Prämie, ohne je den Schutz zu nutzen. In Deutschland passt dazu eine steuerliche Besonderheit: Gewinne aus privaten Veräußerungsgeschäften mit Bitcoin bleiben nach einer Haltefrist von einem Jahr steuerfrei. Das belohnt genau das lange Halten, das Kiyosaki beschreibt.

Ob Bitcoin die Rolle einer Absicherung tatsächlich ausfüllt, zeigt sich am nächsten echten Belastungstest. Entscheidend wird sein, ob der Kurs dann stabil bleibt, während Aktien und Anleihen unter Druck geraten, oder ob er erneut mit ihnen fällt.

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