Jay Clayton im dunklen Anzug vor dem Weißen Haus in Washington
Annika Vogt18:16 Uhr

Ripple-Kläger Jay Clayton soll KI-Zar im Weißen Haus werden

Donald Trump erwägt offenbar, Jay Clayton zum KI-Beauftragten des Weißen Hauses zu machen. Für viele in der XRP-Community ist das kein neutraler Name: Clayton war SEC-Chef, als die Behörde Ripple Ende 2020 verklagte. Warum die Personalie trotzdem kaum etwas an deinen XRP ändert, lohnt einen genaueren Blick.

Was über die Personalie bekannt ist

Laut Berichten von CNN und Axios sucht Trump aktiv nach einem sogenannten KI-Zaren. So heißt in Washington ein Berater, der die Politik zu einem Thema über mehrere Ministerien hinweg koordiniert. Clayton gilt dabei als wahrscheinlicher Kandidat.

Offiziell ist noch nichts. Das Weiße Haus hat die Berichte nicht bestätigt und verweist darauf, dass Personalien vom Präsidenten selbst verkündet werden. Trump hatte nach einem Treffen mit Vertretern der KI-Branche angekündigt, seine Wahl innerhalb weniger Tage bekanntzugeben.

Clayton ist in Washington längst wieder eine feste Größe. Nach seiner Zeit bei der SEC war er Bundesstaatsanwalt in New York, im Sommer bestätigte ihn der Senat dann als Director of National Intelligence, also als obersten Koordinator der US-Geheimdienste.

Warum die XRP-Community nervös reagiert

Die Klage gegen Ripple war einer der prägendsten Momente in der Geschichte von XRP. Die SEC warf dem Unternehmen vor, XRP als nicht registriertes Wertpapier verkauft zu haben. Mehrere US-Börsen nahmen den Token damals vom Handel, der Streit zog sich über Jahre.

Erst unter der neuen, kryptofreundlicheren SEC-Führung wurde das Verfahren beendet. Für viele XRP-Halter steht Claytons Name deshalb bis heute für die Zeit, in der Regulierung durch Klagen statt durch klare Regeln betrieben wurde. Entsprechend skeptisch fallen die Reaktionen in den sozialen Netzwerken aus.

Was der Posten mit Krypto zu tun hat

Ehrlich gesagt: erst einmal wenig. Ein KI-Zar ist ein Berater ohne eigene Aufsichtsbefugnis. Er kann keine Klagen einreichen und keine Token als Wertpapier einstufen. Das bleibt Sache der SEC und der Gerichte.

Konkret heißt das: Wer XRP hält, ob auf einer Börse oder in einer eigenen Wallet, merkt von dieser Ernennung direkt nichts. Der Rechtsstatus von XRP in den USA hängt nicht davon ab, wer im Weißen Haus die KI-Politik koordiniert. Für Anlegerinnen und Anleger in Deutschland, Österreich und der Schweiz gilt ohnehin der europäische Rahmen mit MiCA.

Indirekt kann der Posten aber Gewicht bekommen. KI und Krypto berühren sich an vielen Stellen, etwa bei Rechenzentren, Energiepolitik oder automatisierten Zahlungen. Wer die KI-Agenda prägt, sitzt also nah an Themen, die auch für Blockchain-Projekte wichtig sind.

Wofür Clayton heute steht

Gut zu wissen ist, dass Clayton sich nach seiner SEC-Zeit eher zurückhaltend zu Krypto geäußert hat. Ein erklärter Gegner der Branche war er nie, eher ein Verfechter der Linie, dass bestehende Wertpapiergesetze auch für digitale Vermögenswerte gelten.

Spannend wird deshalb, welchen Zuschnitt Trump dem neuen Amt gibt. Im Gespräch ist auch ein Gremium aus Branchenvertretern, das den Sektor begleiten soll. Ob Clayton dabei nur KI-Fragen verantwortet oder auch digitale Finanzthemen auf den Tisch bekommt, lässt sich erst an der offiziellen Ankündigung und der Aufgabenbeschreibung ablesen.

Offen ist außerdem, ob Clayton sein Amt als Geheimdienstkoordinator behalten würde. Eine Doppelrolle wäre ungewöhnlich, und an dieser Frage dürfte sich zeigen, wie viel Gewicht der neue Posten im Weißen Haus tatsächlich bekommt.

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