Grayscale will Zcash in ein Einkommensprodukt verpacken. Der Vermögensverwalter hat bei der US-Börsenaufsicht einen Zcash Income ETF beantragt, der alle zwei Wochen Geld an die Anleger ausschütten soll. Klingt nach einem regelmäßigen Zinsertrag auf eine Privacy-Münze. Ganz so einfach ist es aber nicht, denn für die Ausschüttungen gibt der Fonds einen Teil der möglichen Kursgewinne ab.
Was genau beantragt wurde
Der Prospekt ging am 25. September bei der SEC ein. Der neue Fonds soll ZEC nicht selbst halten. Stattdessen setzt er auf Optionen, die sich auf den bereits bestehenden Zcash-ETF von Grayscale beziehen. Dieses Produkt führt Grayscale in seiner Fondsübersicht.
Anleger bekommen also eine indirekte Beteiligung an Zcash, gewissermaßen um zwei Ecken: über einen ETF, der auf einen anderen ETF schreibt, der wiederum die Münze hält.
Woher das Geld für die Ausschüttungen kommt
Solche Einkommensfonds arbeiten meist mit einer sogenannten Covered-Call-Strategie. Dabei verkauft der Fonds Kaufoptionen, also das Recht für einen Käufer, die Anteile später zu einem festgelegten Preis zu erwerben. Diesen Preis nennt man Strike. Für jede verkaufte Option kassiert der Fonds eine Prämie, und aus diesen Prämien werden die Ausschüttungen gezahlt.
Der Haken steht in jeder Erklärung zu dieser Strategie: Sie deckelt die Gewinne oberhalb des Strikes. Steigt der Kurs über diese Schwelle, profitiert der Käufer der Option, nicht der Fonds.
Konkret heißt das: Bewegt sich Zcash seitwärts, sammelt der Fonds Prämien ein und schüttet regelmäßig aus. Springt der Kurs dagegen kräftig nach oben, läuft der Fonds nur ein Stück mit. Fällt Zcash, fangen die Prämien den Verlust bestenfalls teilweise ab. Das Risiko nach unten bleibt also weitgehend bestehen, die Chance nach oben wird begrenzt.
Warum gerade Zcash
Zcash gehört zu den ältesten Privacy-Coins. Die Blockchain erlaubt abgeschirmte Transaktionen, bei denen Absender, Empfänger und Betrag nicht öffentlich sichtbar sind. Die Münze gilt als stark schwankend, und genau das macht sie für eine Optionsstrategie interessant: Je unruhiger ein Markt, desto höhere Prämien lassen sich für verkaufte Kaufoptionen meist erzielen.
Für Grayscale passt der Schritt ins bekannte Muster. Das Haus baut seine Palette an Krypto-Produkten seit einiger Zeit aus und ergänzt reine Spot-Fonds zunehmend um Varianten mit Ertragsstrategie. Dass nun auch ein vergleichsweise kleiner Altcoin wie Zcash ein solches Produkt bekommen soll, zeigt, wie weit dieser Trend inzwischen reicht.
Ein Antrag ist noch kein Fonds
Wichtig ist die Einordnung: Eingereicht ist bisher ein Prospekt, gehandelt wird noch nichts. Einen festen Starttermin nennt Grayscale nicht, und auch Details wie die genaue Höhe der Ausschüttungen stehen nicht fest. Sie hängen ohnehin davon ab, wie viel Prämie der Markt für die Optionen gerade hergibt, und können entsprechend schwanken.
Für Anleger im deutschsprachigen Raum gilt außerdem eine praktische Hürde: US-ETFs sind für Privatkunden in der EU meist nicht direkt handelbar, weil die Anbieter kein nach EU-Regeln vorgeschriebenes Basisinformationsblatt bereitstellen. Wer hier ein solches Produkt über einen gewöhnlichen Neobroker sucht, dürfte es daher vorerst nicht finden.
Offen ist vor allem, ob es für ein Einkommensprodukt auf Zcash überhaupt genug Nachfrage gibt. Ablesen lässt sich das, sobald der Fonds startet: an den Zuflüssen in den ersten Wochen und daran, wie sich die ausgeschütteten Beträge im Vergleich zum Kurs von ZEC entwickeln.



