Die Nasdaq-Fassade am Times Square zeigt das XRP-Logo und eine fallende rote Kurslinie
Annika Vogt18:10 Uhr

XRP Kurs drückt Evernorth: 473 Millionen XRP gehen an die Nasdaq

Evernorth hat die Abstimmung über seine Fusion hinter sich und peilt den 8. Oktober für den Start an der Nasdaq an. Mitbringen will das Unternehmen einen Bestand von 473 Millionen XRP. Spannend für dich ist das, weil hier zum ersten Mal ein reines XRP-Schatzhaus an eine große US-Börse geht und weil der Zeitpunkt alles andere als bequem ist.

Was Evernorth eigentlich ist

Evernorth ist eine sogenannte Treasury-Firma. Gemeint ist ein Unternehmen, dessen Geschäftsmodell vor allem darin besteht, eine Kryptowährung zu halten und zu vermehren. Bei Bitcoin kennt man das Prinzip von Strategy, Evernorth überträgt es auf XRP.

An die Börse kommt Evernorth nicht über einen klassischen Börsengang, sondern über die Fusion mit einer Mantelgesellschaft, einem sogenannten SPAC. Das ist eine bereits gelistete Firma ohne eigenes Geschäft, die nur dazu da ist, ein anderes Unternehmen aufzunehmen. Im Fall von Evernorth ist das Armada Acquisition Corp. II. Hinter dem Projekt stehen unter anderem Ripple und der japanische Finanzkonzern SBI, an der Spitze steht der frühere Ripple-Manager Asheesh Birla.

Warum die Wette schon im Minus liegt

Der Haken liegt im XRP Kurs. Seit der Fusionsvertrag unterschrieben wurde, ist die Münze deutlich gefallen. Die 473 Millionen XRP sind heute rund 37 Prozent weniger wert als zum Zeitpunkt der Unterzeichnung, wie eine Auswertung zum geplanten Nasdaq-Start vorrechnet.

Für eine Treasury-Firma ist das mehr als ein Schönheitsfehler. Ihr Wert hängt fast vollständig am Wert der gehaltenen Coins. Fällt der Kurs, schrumpft das Fundament, auf dem die ganze Bewertung steht.

Was sich durch das Listing ändert

Mit dem Börsenstart wird XRP über eine Aktie handelbar. Das zielt vor allem auf Anleger, die keine Coins direkt kaufen dürfen oder wollen, etwa Fonds mit strengen Vorgaben.

Konkret heißt das: Wer XRP selbst in einer Wallet oder auf einer Börse hält, merkt vom Listing erst einmal nichts. Die Coins von Evernorth liegen bereits beim Unternehmen, es kommt am 8. Oktober also keine neue Kaufwelle automatisch dazu. Wer dagegen die Aktie kauft, kauft nicht XRP, sondern einen Anteil an einer Firma. Deren Kurs kann über oder unter dem Wert der gehaltenen Coins liegen, je nachdem, wie viel Vertrauen der Markt dem Management schenkt.

Das Risiko mit dem Aufschlag

Genau dieser Abstand ist bei Treasury-Firmen der wunde Punkt. In guten Phasen notieren solche Aktien oft mit Aufschlag auf ihren Coin-Bestand. Das erlaubt ihnen, neue Aktien teuer auszugeben und davon weitere Coins zu kaufen. Kippt die Stimmung, dreht sich das um: Die Aktie handelt mit Abschlag, und neues Kapital wird teuer.

Bei mehreren Bitcoin- und Ethereum-Schatzhäusern war dieser Abschlag zuletzt deutlich zu sehen. Evernorth startet nun in ein Umfeld, in dem der eigene Bestand bereits an Wert verloren hat.

Woran sich der Start messen lässt

Fest steht bisher nur das Zieldatum. Ob der Handel tatsächlich am 8. Oktober beginnt, hängt noch an den letzten formalen Schritten. Aussagekräftig werden dann die ersten Handelstage: Notiert die Aktie über dem Wert der 473 Millionen XRP, trauen Investoren dem Modell trotz Kursverlust. Liegt sie darunter, ist die Wette aus Sicht des Marktes tatsächlich unter Wasser.

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