Smartphone zeigt einen XRP-Block-Explorer mit einer markierten Transaktion und dem XRP-Logo
Annika Vogt10:37 Uhr

Bitget-Hack: 157 Mio. Dollar in XRP, die niemand einfrieren kann

Bei der Börse Bitget sind am 24. September rund 102,97 Millionen XRP aus einem internen System abgeflossen, im Wert von etwa 157 Millionen Dollar. Das Ungewöhnliche daran ist nicht der Diebstahl selbst, sondern was danach passierte, nämlich fast nichts. Über 99 Prozent der Beute liegen bislang unangetastet in fünf neu erstellten Wallets. Und anders als bei manch anderer Kette gibt es beim XRP Ledger keinen Knopf, mit dem sich diese Coins einfach einfrieren lassen.

Was genau passiert ist

Nach Angaben von Bitget verschafften sich die Angreifer Zugriff auf ein zentrales Backend-System in der Wallet-Infrastruktur der Börse. Von dort aus fälschten sie Transaktionsdaten und schleusten Überweisungen durch, die für das System echt aussahen. Die gestohlenen XRP landeten über mehrere Zahlungen auf einer Adresse und wurden anschließend auf fünf frische Wallets verteilt.

Der On-Chain-Analysedienst Lookonchain hat die Bewegung nachgezeichnet und die abgeflossene Summe auf rund 102,93 Millionen XRP beziffert. Weil das XRP Ledger jede Transaktion öffentlich festhält, lässt sich der Weg des Geldes lückenlos verfolgen. Einzelne Teilbeträge, etwa eine Zahlung über gut 2,2 Millionen XRP, sind in jedem Block-Explorer sichtbar.

@lookonchain auf X: Lookonchain @lookonchain · Follow Update: The funds hacked from #Bitget include: 102.93M $XRP ($157.48M) 31,890 $ETH ($85.75M) 34.75M $USDT ($34.75M) 21.05M $USDC ($21.05M) 19.67M $USD₮0 ($19.67M) 3,000 $XAUt ($12.82M) 12,719 $BNB ($9.88M) 821,012 $AVAX ($8.38M) 20.59M $TRX ($7.0
Quelle: @lookonchain auf X

Wer die Bewegung selbst prüfen will, kann die betroffenen Adressen in einem Explorer wie xrpscan aufrufen und die einzelnen Zahlungen nachvollziehen.

Warum sich die XRP nicht einfrieren lassen

Beim XRP Ledger gibt es tatsächlich eine Einfrier-Funktion, aber die greift nur bei ausgegebenen Token einzelner Herausgeber, nicht beim nativen XRP selbst. Das native XRP kann niemand sperren, weder die Ripple-Firma noch die Börse noch ein Validator. Genau das ist beim herkömmlichen Banking anders, wo ein Konto binnen Minuten gesperrt wird.

Konkret heißt das: Solange die Diebe die Coins nicht bewegen, sitzen sie zwar sichtbar auf ihren Adressen, entziehen kann sie ihnen aber niemand. Der Druck entsteht erst, wenn versucht wird, die XRP über eine Börse in andere Werte oder in echtes Geld zu tauschen. An dieser Stelle können Börsen einschreiten, indem sie eingehende Adressen markieren und Auszahlungen blockieren. Auf der Kette selbst passiert bis dahin nichts.

Was das für dich als Nutzer bedeutet

Betroffen ist zunächst die Börse, nicht deine eigene Wallet. Wenn du XRP selbst verwahrst, ist an deinen Coins nichts passiert, denn geknackt wurde ein internes System von Bitget, nicht das Netzwerk. Wer sein Guthaben allerdings bei Bitget liegen hat, ist darauf angewiesen, wie die Börse mit dem Schaden umgeht und ob sie Verluste aus eigenen Mitteln deckt.

Bitget-Chefin Gracy Chen hat sich öffentlich zu dem Vorfall geäußert und Aufklärung zugesagt.

@GracyBitget auf X: Gracy Chen @Bitget @GracyBitget · Follow Earlier 7 hours ago, I hosted a live stream with everyone that lasted over three hours. Here's a summary of the points I covered in the live: ① Bitget security incident update — 1 hours in. We're sharing specific facts, not just reassuranc
Quelle: @GracyBitget auf X

Offen ist bislang, ob die Angreifer es überhaupt schaffen, die Beute zu Geld zu machen. Weil jede Bewegung öffentlich ist und große Börsen die Adressen kennen, wird jeder Auszahlungsversuch zum Risiko für die Täter. Der nächste Schritt lässt sich also gut ablesen: Bewegt sich XRP von den fünf Wallets weg, wird sichtbar, wohin es fließt und ob eine Börse rechtzeitig zugreift.

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