Physische Bitcoin-Münze auf einem Smartphone mit sanft steigender grüner Kurslinie in hellem Tageslicht
Tobias Reinhardt07:04 Uhr

Bitcoin Prognose: CryptoQuant-Chef erwartet ruhigeren Zyklus

Ki Young Ju, Chef des Analysehauses CryptoQuant, dämpft die Erwartung an den laufenden Bitcoin-Bullenmarkt. Ein Anstieg um das Zehnfache, wie ihn frühere Zyklen brachten, hält er für vorbei. Seine Begründung ist weniger eine Kursvorhersage als eine These darüber, wer Bitcoin heute hält und welches Geld noch nachrückt.

Was sich an der Besitzstruktur verschoben hat

Der Kern der Einschätzung liegt bei den Eigentümern. In den frühen Zyklen war Bitcoin fast ausschließlich in den Händen von Privatanlegern und einer kleinen Gruppe früher Käufer. Neues Geld traf auf ein knappes, dünn gehandeltes Angebot, und der Kurs vervielfachte sich entsprechend. Inzwischen sitzen börsengehandelte Fonds, Unternehmen mit Bitcoin in der Bilanz und institutionelle Verwalter auf großen Beständen. Diese Halter kaufen anders, und sie verkaufen anders.

Genau daran hängt die Prognose eines ruhigeren Zyklus. Die Kette ist einfacher, als sie klingt. Institutionelles Kapital bewegt sich in großen Summen, aber selten in Panik. Es fließt nach festen Regeln zu, etwa über Zuflüsse in ETFs, und es fließt genauso wieder ab. Dominiert dieses Kapital den Markt, werden die Ausschläge nach oben kleiner, weil kaum noch jemand zu jedem Preis nachjagt. Dieselbe Dämpfung wirkt in beide Richtungen.

Warum auch der nächste Bärenmarkt anders aussehen soll

Ju bezieht seine These ausdrücklich auf die Abwärtsphase, die auf jeden Bullenmarkt folgt. Früher fiel Bitcoin nach dem Höhepunkt oft um rund vier Fünftel, weil Privatanleger gleichzeitig ausstiegen und das dünne Angebot den Sturz beschleunigte. Sitzen die Bestände dagegen bei Haltern mit längerem Zeithorizont und tieferen Taschen, dürfte der nächste Rückgang nach seiner Lesart flacher ausfallen. Kein Crash auf einen Bruchteil, sondern ein geordneteres Abkühlen.

Diese Sicht hat eine Kehrseite, die zur Einordnung gehört. Ein Analysehaus, das seine Daten an genau jene Institutionen verkauft, hat ein Interesse daran, den Markt als reifer und berechenbarer darzustellen. Das entwertet die These nicht, aber es lohnt sich, sie als Position zu lesen und nicht als neutrale Naturbeobachtung.

Woran sich die These ablesen lässt

Ob die Einschätzung trägt, zeigt sich weniger am nächsten Rekordhoch als am Verhalten in einer Schwächephase. Bricht der Kurs bei der nächsten deutlichen Korrektur erneut steil ein und ziehen die ETF-Zuflüsse gleichzeitig scharf ins Minus, war die Rede vom reiferen Markt verfrüht. Bleiben die Abflüsse dagegen moderat, während der Kurs nachgibt, spricht das für Jus Lesart. Der Prüfstein liegt also in den Bewegungsdaten der Fonds, nicht in einer einzelnen Kurswoche.

Für den breiteren Markt hätte ein ruhigerer Zyklus eine unbequeme Folge. Wer auf die Vervielfachung früherer Jahre setzt, kalkuliert mit einer Dynamik, die es nach dieser These so nicht mehr gibt. Kleinere Ausschläge nach oben bedeuten kleinere Gewinne für spätes Geld, dafür im Gegenzug ein weniger brutaler Absturz danach. Ein Tausch von Aufwärtspotenzial gegen Stabilität, sofern die Rechnung aufgeht.

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