Das US-Kapitol in Washington mit amerikanischen Flaggen, im Vordergrund ein Smartphone mit Bitcoin-Logo
Tobias Reinhardt07:04 Uhr

Bitcoin Kurs vor den Midterms: Die Fed wiegt schwerer als der Senat

Wenige Wochen vor den US-Zwischenwahlen gehen die Demokraten als Favoriten ins Rennen. Ein Machtwechsel im Senat würde die Krypto-Politik in Washington verändern. Für den Bitcoin Kurs könnte ein anderer Hebel aber wichtiger sein: die Zinspolitik der Federal Reserve.

Die Ausgangslage vor der Wahl

Bei den Midterms Anfang November stehen das gesamte Repräsentantenhaus und ein Teil der Senatssitze zur Wahl. Nach aktuellem Stand haben die Demokraten die besseren Karten. Verlieren die Republikaner ihre Mehrheit in einer der beiden Kammern, muss die Regierung Trump ihre Gesetzesvorhaben künftig mit der Opposition aushandeln.

Für die Kryptobranche geht es dabei vor allem um Gesetze, die noch nicht verabschiedet sind. Dazu gehört die Frage, wie der Markt für digitale Vermögenswerte in den USA künftig reguliert wird. Ein geteilter Kongress bringt solche Vorhaben meist langsamer voran, aber nicht zwingend zum Stillstand. Einzelne Regeln für die Branche hatten zuletzt auch Stimmen aus beiden Parteien bekommen.

Warum der Zins der stärkere Hebel ist

Die Analyse kommt zu dem Schluss, dass Bitcoin wohl stärker auf Zinserhöhungen der Fed reagiert als auf einen Wechsel der Mehrheit im Senat. Dahinter steht ein einfacher Zusammenhang. Hebt die Notenbank den Leitzins an, bringen Bargeld und kurzlaufende Staatsanleihen mehr Rendite, ohne dass Anleger ein Risiko eingehen müssen.

Riskantere Anlagen müssen dann mehr bieten, um überhaupt noch in Frage zu kommen. Bitcoin wirft weder Zinsen noch Dividenden ab und steht in dieser Reihe deshalb weit hinten. Wird sicheres Geld teurer, ziehen Investoren zuerst dort Kapital ab, wo die Schwankungen am größten sind. Dazu kommt ein zweiter Effekt: Höhere Zinsen machen Kredit teurer und bremsen damit gehebelte Positionen am Terminmarkt.

Politik wirkt langsam, Geldpolitik sofort

Die beiden Hebel unterscheiden sich vor allem darin, wie schnell sie wirken. Eine neue Mehrheit im Kongress ändert zunächst nur, welche Gesetze Aussicht auf Erfolg haben. Bis daraus Regeln werden, die Börsen, Emittenten oder Verwahrer spüren, vergehen oft Monate. Viele Anleger haben das Wahlergebnis außerdem schon eingepreist, weil die Umfragen seit Längerem in dieselbe Richtung zeigen.

Eine Zinsentscheidung wirkt dagegen noch am selben Tag. Sie verschiebt die Renditen am Anleihemarkt, den Dollar und die Finanzierungskosten für alle, die mit geliehenem Geld handeln. Deshalb reagiert Bitcoin meist deutlicher auf Sitzungen der Fed als auf politische Ereignisse, zumindest wenn deren Ergebnis keine Überraschung ist.

Wo die Wahl doch durchschlagen könnte

Ganz ohne Bedeutung ist der Wahlausgang für den Markt trotzdem nicht. Ein überraschend klares Ergebnis in eine der beiden Richtungen könnte die Erwartungen an die Regulierung neu ordnen. Für Anbieter aus Europa, die sich unter MiCA bereits auf einen festen Rahmen eingestellt haben, bleibt die US-Gesetzgebung wichtig. Sie bestimmt, wie leicht der Zugang zum größten Kapitalmarkt der Welt wird.

Welcher Hebel in den kommenden Wochen tatsächlich wirkt, lässt sich am Kalender ablesen. Die Wahl fällt in dieselbe Phase wie die nächsten geldpolitischen Signale aus Washington. Schwankt der Kurs vor allem rund um die Aussagen der Notenbank und kaum in der Wahlnacht, bestätigt das die Einordnung. Andernfalls hätte der Markt die politische Seite unterschätzt.

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