Donald Trump spricht vor Reportern, dahinter die Flaggen der USA und Irans, im Vordergrund ein Smartphone mit fallendem Bitcoin-Chart
Tobias Reinhardt06:55 Uhr

Bitcoin Kurs unter Druck: Trump schließt neue Iran-Angriffe nicht aus

US-Präsident Donald Trump hat am Sonntag weitere Angriffe auf Iran vor den Zwischenwahlen im November ausdrücklich nicht ausgeschlossen. Gleichzeitig sagte er, der Krieg könne bald vorbei sein. Die Märkte hörten vor allem den ersten Teil: Bitcoin gab nach, und die Futures auf den Nasdaq rutschten ebenfalls ins Minus.

Ein abgelehnter Vorschlag und eine offene Drohung

Schon am Samstag hatte Trump einen iranischen Vorschlag zurückgewiesen, den katarische Vermittler übermittelt hatten. Der sah vor, die Straße von Hormus binnen sieben Tagen wieder vollständig zu öffnen, allerdings unter Bedingungen an Washington. Am Sonntag folgte dann die Aussage, zusätzliche Schläge seien vor den Midterms möglich. Wie ein Liveblog zu den Äußerungen des Präsidenten festhält, blieb Trump dabei bewusst vage, was Zeitpunkt und Umfang angeht.

Für die Märkte ist diese Kombination unangenehm. Ein nahes Kriegsende wäre eine gute Nachricht, weitere Angriffe eine schlechte. Solange beides gleichzeitig im Raum steht, lässt sich keines von beiden sauber einpreisen.

Der Hebel heißt Ölpreis

Der Zusammenhang zwischen einem Konflikt am Persischen Golf und dem Bitcoin Kurs läuft über eine Kette, die mit dem Öl beginnt. Durch die Straße von Hormus fließt ein erheblicher Teil des weltweit gehandelten Rohöls. Bleibt sie blockiert, bleibt das Angebot knapp und der Preis hoch. Teure Energie schiebt die Inflation an, und eine höhere Inflation macht Zinssenkungen der US-Notenbank unwahrscheinlicher.

An dieser Stelle kommen riskante Anlagen ins Spiel. Bleiben die Zinsen hoch, bringt sicheres Geld weiter eine ordentliche Rendite. Technologieaktien und Bitcoin müssen dann mehr versprechen, um Kapital anzuziehen. Dass Nasdaq-Futures und Bitcoin am selben Tag nachgaben, passt zu diesem Muster: Beide hängen an derselben Zinserwartung.

Der Markt reagiert seit Monaten auf jede Wendung

Neu ist diese Empfindlichkeit nicht. Der Krieg dauert inzwischen rund ein halbes Jahr, und Bitcoin hat in dieser Zeit wiederholt auf Signale aus Washington reagiert. Im März etwa stieg die Kryptowährung zusammen mit Staatsanleihen und Aktien-Futures, nachdem Trump Angriffe auf iranische Energieanlagen für fünf Tage aufgeschoben hatte. Damals wirkte die Kette in die andere Richtung: weniger Eskalation, weniger Druck auf den Ölpreis, mehr Luft für riskante Anlagen.

Auffällig ist, wie wenig sich an diesem Reflex geändert hat. Die Erzählung von Bitcoin als Absicherung gegen geopolitische Krisen findet in den Kursbewegungen dieser Monate kaum Rückhalt. In Stressphasen handelt der Markt die Kryptowährung eher wie eine Technologieaktie mit Hebel.

Die Midterms als zusätzlicher Unsicherheitsfaktor

Mit dem Verweis auf die Zwischenwahlen hat Trump dem Konflikt einen innenpolitischen Zeitrahmen gegeben. Das verlängert die Phase, in der jede Äußerung aus dem Weißen Haus Kurse bewegen kann. Ob die Drohung vor allem Verhandlungsdruck auf Teheran aufbauen soll oder tatsächlich Pläne ankündigt, geht aus den Aussagen nicht hervor.

Auch in Europa ist der Mechanismus spürbar. Ein hoher Ölpreis verteuert Energie im Euroraum und erschwert der Europäischen Zentralbank ihre Zinspolitik, was sich ebenfalls auf die Risikobereitschaft auswirkt.

Woran sich die nächste Richtung ablesen lässt

Der eigentliche Prüfstein ist weniger der Bitcoin Kurs selbst als der Ölpreis und die Zinserwartungen an den Terminmärkten. Kommt es zu Bewegung bei den Verhandlungen über Hormus, dürfte das zuerst am Öl sichtbar werden und erst danach bei Aktien und Kryptowährungen. Fällt Bitcoin dagegen weiter, während Öl und Zinserwartungen stabil bleiben, wäre das ein Hinweis darauf, dass im Kryptomarkt eigene Faktoren wirken und nicht nur die Geopolitik.

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