Smartphone mit Bitcoin-Kurschart, der kurz steigt und wieder fällt, vor dem US-Finanzministerium in Washington
Tobias Reinhardt07:05 Uhr

Bitcoin Kurs: Sprung auf 85.500 Dollar scheitert an den Renditen

Ein überraschend milder Inflationsbericht aus den USA hat Bitcoin am Mittwoch kurz über 85.000 Dollar gehoben, in der Spitze bis auf rund 85.500 Dollar. Lange hielt der Anstieg nicht. Die Renditen der US-Staatsanleihen gaben kaum nach und blieben in der Nähe ihres höchsten Stands seit 2002. Damit schmolzen die Gewinne wieder ab.

Was der PCE-Bericht gezeigt hat

Der Preisindex der privaten Konsumausgaben, kurz PCE, ist das Inflationsmaß, auf das die US-Notenbank am genauesten schaut. Für August meldete das zuständige Statistikamt BEA eine Jahresrate von 3,4 Prozent, kaum verändert gegenüber Juli. Die Kernrate ohne Nahrungsmittel und Energie lag stabil bei 3,0 Prozent. Am Markt war mit einem höheren Wert gerechnet worden, deshalb fiel die erste Reaktion so deutlich aus.

@stlouisfed auf X: St. Louis Fed @stlouisfed · Follow In August, the personal consumption expenditures (PCE) price index increased at an annual rate of 3.4%, little changed from July's rate. Excluding food and energy costs, the “core” PCE price index held at 3.0% on a 12-month basis https://bit.ly/4
Quelle: @stlouisfed auf X

Allerdings fiel der Bericht mit einer methodischen Umstellung zusammen. Mit der jährlichen Revision Ende September hat die BEA geändert, wie sie die Kosten für Vermögensverwaltung in den Index einrechnet. Bisher stiegen diese Preise rechnerisch schon dann, wenn die Aktienkurse zulegten. Ein Teil der Entlastung ist also eine Frage der Messung und keine neue Entwicklung bei den Preisen. Das dürfte erklären, warum Anleiheinvestoren den Wert nur mit Vorbehalt aufgenommen haben.

Warum die Renditen den Takt vorgeben

Dahinter steckt ein einfacher Zusammenhang. Wirft eine zehnjährige US-Staatsanleihe so viel ab wie seit über zwei Jahrzehnten nicht mehr, bekommt sicheres Geld einen hohen Preis. Wer Kapital ohne Ausfallrisiko parken kann und dafür ordentlich bezahlt wird, braucht gute Gründe für riskantere Anlagen. Bitcoin wirft keine laufenden Erträge ab und muss sich daher über Kursgewinne gegen diesen sicheren Zins behaupten.

Ein milder Inflationswert hilft Bitcoin nur, wenn er diese Kette in Gang setzt: Erst sinkt die Erwartung an den Leitzins, dann fallen die Renditen, und danach wird Risiko wieder attraktiver. Am Mittwoch hat nur der erste Schritt geklappt. Die Anleihen blieben fast unverändert, und so fehlte dem Bitcoin Kurs das Fundament für einen nachhaltigen Ausbruch.

Der Anleihemarkt glaubt an etwas anderes

Dass die Renditen kaum reagierten, ist die eigentliche Nachricht des Tages. Halten Anleiheinvestoren ihre Forderungen trotz einer schwächeren Inflationsrate hoch, bewerten sie offenbar andere Risiken höher: eine Teuerung, die sich bei über drei Prozent festsetzt, die hohe Neuverschuldung des Bundes oder eine Wirtschaft, die robust genug für weiterhin hohe Zinsen bleibt. Eine einzelne Monatszahl ändert an diesen Annahmen wenig.

Hohe US-Renditen bleiben nicht auf Amerika beschränkt. Sie stärken tendenziell den Dollar und erhöhen auch den Druck auf die Anleihemärkte im Euroraum. Für Anleger im deutschsprachigen Raum, die Bitcoin in Euro bewerten, kommt damit neben dem Kurs selbst auch die Wechselkursbewegung ins Spiel.

Der nächste Prüfstein steht schon an

Nur zwei Tage nach den PCE-Zahlen folgt am Freitag der US-Arbeitsmarktbericht für September. Fällt er schwach aus, könnte das die Zinserwartung stärker drücken als die Inflationsdaten. Ob der Bitcoin Kurs die Marke von 85.000 Dollar zurückholt, wird sich daher weniger an der Kryptobörse entscheiden als an der Rendite der zehnjährigen Staatsanleihe. Solange sie in der Nähe ihres Hochs seit 2002 bleibt, sind Erholungsversuche wie der vom Mittwoch eher Reaktionen im Handel als eine echte Umschichtung von Kapital.

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