Bitcoin-Logo leuchtet auf einer Kurstafel neben fallenden KI-Aktienwerten
Tobias Reinhardt07:02 Uhr

Bitcoin Kurs: 40% der S&P-500-Gewinne hängen an KI

Der Boom rund um künstliche Intelligenz hat 2026 einen Großteil des freien Kapitals an sich gezogen. Genau dieser Sog gilt als eine der Ursachen dafür, dass Bitcoin einen schwachen Jahresverlauf hinter sich hat. Jetzt kippt das Bild: Große institutionelle Anleger sorgen sich zunehmend, dass ihre Portfolios zu stark von wenigen KI-Namen abhängen. Diese Nervosität könnte einen Teil des Kapitals wieder in Bewegung setzen.

Warum die Konzentration zum Problem wird

Der Ausgangspunkt ist eine Konzentration, wie sie der Aktienmarkt lange nicht gesehen hat. Nach einer Einschätzung von Goldman Sachs entfallen rund 40 Prozent der Gewinne im S&P 500 auf Unternehmen, deren Geschäft eng mit dem KI-Thema verknüpft ist. Wer breit in den Index investiert, ist damit ungewollt sehr stark auf ein einziges Narrativ ausgerichtet. Genau das lässt sich in der aktuellen Prognose der Bank für 2026 nachlesen.

Die Mechanik dahinter ist unspektakulär, aber wirksam. Ein Fonds soll Risiken streuen, doch wenn ein einzelnes Thema den halben Ertrag trägt, ist die Streuung nur noch auf dem Papier vorhanden. Fällt dieses Thema, fällt das ganze Portfolio mit. Große Kapitalsammelstellen müssen dann gegensteuern und suchen Anlagen, die sich nicht im Gleichschritt mit den Techwerten bewegen. Erst wenn diese Suche einsetzt, kommt überhaupt Kapital in Frage, das bisher in KI-nahen Aktien gebunden war.

Was die Staatsfonds am meisten fürchten

Dass diese Sorge nicht nur eine Randmeinung ist, zeigt eine Erhebung unter Staatsfonds. In der Global Sovereign Asset Management Study von Invesco steht die Marktkonzentration bei den KI-nahen Investments ganz oben auf der Liste der genannten Risiken. Staatsfonds verwalten träges, langfristiges Kapital und verschieben Positionen nur behäbig. Wenn ausgerechnet diese Gruppe die Klumpenbildung als größtes Problem benennt, ist das ein Signal für eine mögliche Umschichtung über längere Zeiträume.

Die größten Risiken, die Staatsfonds mit KI-nahen Investments verbinden.
Die größten Risiken, die Staatsfonds mit KI-nahen Investments verbinden. Quelle: Invesco, via Bitcoin.com

Auch abseits der Staatsfonds wird das Problem greifbar. In der Berichterstattung von Bloomberg über die Streuungsnöte an der Wall Street wird beschrieben, wie schwer es geworden ist, Portfolios überhaupt noch sinnvoll zu diversifizieren, ohne indirekt wieder beim KI-Thema zu landen. Wer echte Unabhängigkeit vom Techzyklus sucht, muss zwangsläufig über Anlageklassen nachdenken, die außerhalb dieses Feldes liegen.

Wo Bitcoin in dieser Reihe steht

Bitcoin ist in dieser Logik kein Selbstläufer. Zeitweise bewegt sich der Kurs im Gleichschritt mit den Technologiewerten, dann wieder eigenständiger. Für einen Fonds, der Konzentration abbauen will, zählt genau das: eine Anlage, deren Wertentwicklung nicht dauerhaft an der Nasdaq klebt. Solange diese Entkopplung nicht verlässlich ist, bleibt Bitcoin nur ein Kandidat unter mehreren, neben Gold und anderen realen Werten. Die These lautet nicht, dass das Kapital zwingend kommt, sondern dass die Tür dafür wieder offen steht.

Ob die Einordnung trägt, zeigt sich weniger am Tageskurs als daran, wie sich Bitcoin relativ zu den Techwerten verhält. Löst sich der Kurs in den kommenden Wochen spürbar von der Bewegung an den Aktienmärkten, wäre das ein erstes Zeichen für eine tatsächliche Umschichtung. Bleibt der Gleichlauf hoch, war die Sorge der Fonds vor allem eine Debatte und noch keine Kapitalbewegung.

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