Hand hält ein Smartphone mit einem grün steigenden Bitcoin-Kurschart vor einer Hamburger Speicherstadt-Kulisse
Tobias Reinhardt06:58 Uhr

Bitcoin Kurs: Analyst Cappelleri nennt drei Gründe für mehr Luft

Der Chartanalyst Frank Cappelleri hält die jüngste Erholung bei Bitcoin für mehr als ein kurzes Aufatmen. Nach dem Monatsplus im August nennt er drei Gründe, warum daraus eine größere Aufwärtsbewegung werden könnte. Das ist eine technische Lesart und keine Prognose mit Garantie. Gerade deshalb lohnt der Blick darauf, wie diese Art Signal im Markt überhaupt wirkt.

Wer die These aufstellt

Cappelleri ist Technischer Analyst und betreibt mit CappThesis einen eigenen Research-Dienst. Er arbeitet mit Kursmustern, Trendstrukturen und dem Verhalten nach markanten Monatsschlüssen. Nach seiner Auswertung spricht einiges dafür, dass der Rückprall in einen breiteren Anstieg übergeht. Ausgangspunkt ist der August: Ein Monat mit Gewinn nach einer Phase der Schwäche verändert aus Sicht der Chartanalyse das Bild, weil er zeigt, dass Käufer tiefere Kurse nicht mehr hinnehmen.

Wie ein Chartsignal zu echtem Kaufdruck wird

Der Zusammenhang ist mechanischer, als er wirkt. Ein großer Teil des Handels mit Bitcoin läuft heute über regelbasierte Strategien. Trendfolgende Fonds und Handelsprogramme kaufen nicht, weil sie eine Geschichte glauben, sondern weil ein Kurs bestimmte Schwellen überschreitet oder ein Monat stark schließt. Dreht das Momentum nach oben, schalten diese Modelle von Verkauf oder Abwarten auf Kauf um.

Daraus entsteht eine Kette. Erst bewegt sich der Kurs, dann reagieren die Systeme, und ihre Käufe schieben den Kurs weiter in dieselbe Richtung. Wer zuvor auf fallende Kurse gesetzt hat, muss zurückkaufen und verstärkt den Effekt. Ein Chartsignal ist also nicht nur Beobachtung: Wenn genug Kapital danach handelt, erzeugt es einen Teil der Bewegung selbst.

Wo die Lesart an ihre Grenzen stößt

Dieselbe Mechanik funktioniert auch in die andere Richtung. Scheitert ein Ausbruch, stellen die Modelle genauso schnell wieder auf Verkauf. Technische Muster sagen aus, was in ähnlichen Situationen früher oft passiert ist, aber nicht, was diesmal passiert. Ein einzelner starker Monat reicht nicht, um einen Trendwechsel zu belegen.

Dazu kommt der Rahmen, den kein Chart abbildet. Zuletzt scheiterte ein Anlauf auf höhere Marken an steigenden Renditen für Staatsanleihen. Werfen sichere Anlagen mehr ab, muss Bitcoin als riskante Anlage mehr bieten, um Kapital anzuziehen. Solange dieser Gegenwind anhält, bremst er auch ein technisch sauberes Signal.

Woran sich die These messen lässt

Ob Cappelleris Einordnung trägt, zeigt sich weniger an einzelnen Tagesausschlägen als an der Bestätigung. Entscheidend ist, ob auf den August weitere Monate mit höheren Schlusskursen folgen und die Zwischentiefs über den Tiefs der vorangegangenen Schwächephase bleiben. Ein zweiter Hinweis sind die Zuflüsse in die Spot-ETFs: Steigen sie parallel zum Kurs, steht hinter der Bewegung neues Kapital und nicht nur das Umschalten von Handelsprogrammen. Bleiben sie aus, war der Anstieg vor allem eine Reaktion im Terminhandel, und die gleiche Mechanik kann ihn auch wieder zurückdrehen.

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