Roter fallender Kurschart auf einem Handelsbildschirm mit Bitcoin- und Dogecoin-Münze davor
Tobias Reinhardt06:52 Uhr

Bitcoin Kurs unter 84.000 Dollar, Renditen auf Hoch seit 2007

Der Bitcoin-Kurs ist unter 84.000 Dollar gerutscht, Dogecoin verliert rund 8 Prozent und führt damit die Verluste unter den größeren Token an. Der Auslöser liegt nicht im Kryptomarkt selbst, sondern am US-Anleihemarkt: Die Renditen auf Staatsanleihen sind auf den höchsten Stand seit 2007 gestiegen. Steigende Ölpreise, die stärkste US-Konjunkturumfrage seit fünf Jahren und eine schwach aufgenommene Auktion fünfjähriger Papiere haben die Finanzierungskosten nach oben getrieben.

Was die steigenden Renditen auslösen

Der Zusammenhang ist einfacher, als er klingt. Eine Anleihe zahlt einen festen Zins, ihr Kurs schwankt aber. Verlangen Anleger für neues Geld mehr Rendite, fallen die Kurse bestehender Papiere, und die Rendite steigt. Genau das passiert gerade: Sichere Staatsanleihen werfen wieder spürbar Ertrag ab. Wer Kapital ohne Risiko parken kann und dafür bezahlt wird, hat weniger Grund, es in schwankungsanfällige Anlagen zu stecken.

Bitcoin steht in dieser Reihe weit hinten. Er zahlt keinen Zins, sein Reiz liegt allein im möglichen Kursgewinn. Steigt die risikolose Rendite, wird dieser Kompromiss teurer, und ein Teil des Kapitals zieht sich zurück. Dogecoin sitzt am äußersten Ende der Skala: Der Coin hat keinen laufenden Ertrag und keine fundamentale Verankerung, deshalb trifft ihn eine Bewegung der Risikofreude härter als Bitcoin. Der Verlust von 8 Prozent gegenüber dem Rückgang bei Bitcoin passt in dieses Muster.

Warum die Zehnjahresrendite der Taktgeber ist

Die zehnjährige US-Staatsanleihe gilt als Referenzzins für fast alles: Hypotheken, Unternehmenskredite und die Bewertung risikoreicher Anlagen orientieren sich an ihr. Sie ist zuletzt über 5 Prozent geklettert, ein Niveau, das zuletzt vor der Finanzkrise erreicht wurde. Der Datendienst Walter Bloomberg meldete den Sprung auf den höchsten Stand seit Juli 2007.

@DeItaone auf X: *Walter Bloomberg @DeItaone · Follow U.S. TREASURY YIELD ON 10-YEAR TREASURY NOTE HITS 5.081%, HIGHEST SINCE JULY 17, 2007; LAST UP 10.57 BASIS POINTS AT 5.073% 5:43 PM · Sep 23, 2026 406 Reply Copy link to post Read 51 replies
Quelle: @DeItaone auf X

Wichtig ist der Grund für den Anstieg. Diesmal sind es keine Rezessionsängste, sondern das Gegenteil: eine ungewöhnlich starke Konjunkturumfrage und wieder anziehende Ölpreise. Beides deutet auf hartnäckige Inflation hin. Damit sinkt die Erwartung, dass die Notenbank die Zinsen bald senkt. Für Bitcoin fällt so genau der Hebel weg, der ihn im Jahresverlauf mehrfach nach oben getragen hat: die Aussicht auf billigeres Geld.

Ähnlich lief es schon im Frühjahr

Das Muster ist nicht neu. Schon im Frühjahr zog eine Welle steigender Langfristrenditen den Kryptomarkt nach unten, damals rutschte Bitcoin bei einer 30-jährigen Rendite nahe 5 Prozent unter die Marke von 80.000 Dollar. Der Mechanismus war derselbe: Der Anleihemarkt setzte den Preis, der Kryptomarkt reagierte. Neu ist diesmal, dass die kurzen Laufzeiten mitziehen, was den Druck auf eine baldige Zinssenkung noch verstärkt.

Ob dieser Verkaufsdruck mehr ist als eine Reaktion im Handel, lässt sich an einem Tag nicht ablesen. Der Prüfstein liegt weniger im Kurs selbst als in den Zuflüssen der Bitcoin-ETFs und in der nächsten Runde US-Inflationsdaten. Fallen die Renditen wieder, ohne dass frisches Geld in die Fonds zurückkehrt, war es vor allem eine Bewegung am Terminmarkt. Bleiben die Renditen dagegen oben, dürfte der Gegenwind für Bitcoin und die schwächeren Coins wie Dogecoin vorerst bestehen bleiben.

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