Bitcoin steuert auf das zweitstärkste dritte Quartal seiner Geschichte zu, Ethereum hat sein bestes bereits sicher. Bis zum 26. September lag Bitcoin im Quartal rund 44 Prozent im Plus, Ethereum sogar rund 71 Prozent. Bemerkenswert ist das vor allem, weil die Sommermonate am Kryptomarkt eher als ruhige Phase gelten.
Die Zahlen des Quartals
Die Quartalsbilanz stützt sich auf Auswertungen von Coinglass. Demnach reicht der Zuwachs bei Bitcoin nur für Platz zwei in der Rangliste der dritten Quartale, während Ethereum einen neuen Höchstwert für diesen Zeitraum setzt. Einige Handelstage im September stehen noch aus, die endgültigen Werte können sich also noch verschieben. An der Reihenfolge dürfte das bei diesem Abstand wenig ändern, an der genauen Prozentzahl schon.

Was die Nachfrage über die ETFs auslöst
Getragen wird die Bewegung von einer stärkeren Nachfrage über börsengehandelte Fonds und einer lebhafteren Aktivität am Spotmarkt. Der Mechanismus dahinter ist schlicht. Kauft ein Anleger Anteile eines Spot-ETF, muss der Anbieter die entsprechende Menge Bitcoin oder Ethereum tatsächlich am Markt erwerben und verwahren. Diese Käufe treffen auf ein Angebot, das nicht beliebig wächst. Steigt die Nachfrage schneller als die Menge, die Verkäufer abgeben wollen, muss der Preis nach oben, bis sich genug Verkäufer finden.
Genau an diesem zweiten Glied setzt die gedämpfte Gewinnmitnahme an. Wer schon länger hält, verkauft trotz der deutlichen Kursgewinne bislang nur zurückhaltend. Damit bleibt die Angebotsseite knapp, und die zusätzliche Nachfrage schlägt stärker auf den Preis durch, als sie es in einem Markt voller verkaufswilliger Altbestände täte.
Warum Ethereum stärker zulegt
Dass Ethereum den Bitcoin in diesem Quartal deutlich übertrifft, passt zu einem bekannten Muster. Die zweitgrößte Kryptowährung reagiert in Aufwärtsphasen typischerweise mit größeren Ausschlägen, weil die Marktkapitalisierung kleiner ist und derselbe Kapitalzufluss relativ mehr bewegt. Umgekehrt gilt das auch nach unten. Der Rekordwert für Ethereum ist deshalb weniger ein Urteil über das Netzwerk als ein Hinweis darauf, dass sich die Risikobereitschaft am Markt insgesamt erhöht hat.
Der Vergleich mit früheren Sommern
Historisch fiel das dritte Quartal für Bitcoin häufig verhalten aus, oft mit Seitwärtsbewegungen und geringeren Umsätzen in der Urlaubszeit. Ein Plus in dieser Größenordnung sticht vor diesem Hintergrund hervor. Als Vorhersage für das vierte Quartal taugt der Vergleich allerdings nicht: Eine starke Sommerbilanz sagt wenig darüber aus, ob die Käufer auch im Herbst in gleichem Umfang bleiben.
Woran sich die Belastbarkeit ablesen lässt
Die Kausalkette hat zwei Stellen, an denen sie reißen kann. Lassen die ETF-Zuflüsse nach, fehlt der strukturelle Käufer, der die Bewegung bisher getragen hat. Nehmen gleichzeitig die langfristigen Halter verstärkt Gewinne mit, wächst das Angebot genau in dem Moment, in dem die Nachfrage schwächer wird. Ob die Rally in das vierte Quartal hineinreicht, zeigt sich daher weniger am Kurs der letzten Septembertage als an den Fondsflüssen und am Verkaufsverhalten der Altbestände in den ersten Oktoberwochen.



