Die besten Kryptowährungen für langfristige Anleger
Zehn Projekte, eingeordnet nach dem, was sie tatsächlich leisten. Mit dem Punkt, der in Deutschland über die Rendite mitentscheidet: der einjährigen Haltefrist.
Die kurze Antwort
Für den langfristigen Vermögensaufbau bilden Bitcoin und Ethereum bei den meisten Anlegern den Kern, weil sie die längste Historie, die größte Liquidität und die breiteste Akzeptanz haben. Alles darüber hinaus ist eine Wette auf eine bestimmte Entwicklung und gehört entsprechend kleiner gewichtet. Wichtiger als die Auswahl einzelner Coins ist ohnehin, dass du das Geld über Jahre nicht brauchst.
Inhalt
Was langfristig bei Krypto bedeutet
Langfristig heißt hier nicht ein paar Monate, sondern mehrere Marktzyklen. Wer sich die Kursverläufe der vergangenen zehn Jahre ansieht, findet in jedem davon Rückgänge von 70 Prozent und mehr, auch bei den größten Projekten. Ein Anlagehorizont, der solche Phasen nicht aushält, ist kein langfristiger Horizont, sondern ein kurzfristiger mit längerem Namen.
In Deutschland kommt ein Punkt dazu, der die Rechnung merklich verändert: Gewinne aus dem Verkauf von Kryptowährungen sind nach einer Haltefrist von einem Jahr steuerfrei. Vor Ablauf des Jahres sind sie als privates Veräußerungsgeschäft steuerpflichtig, sobald du über der Freigrenze liegst. Das Steuerrecht belohnt hier also genau das Verhalten, das ohnehin sinnvoll ist. Wer zwischendurch umschichtet, verliert diesen Vorteil für die betroffenen Bestände.
Praktische Folge: Notiere von Anfang an jeden Kauf mit Datum und Betrag. Ohne diesen Nachweis kannst du die Haltefrist später nicht belegen. Mehr dazu in unserem Artikel zu Krypto und Steuern.
Woran wir Projekte messen
Für eine langfristige Betrachtung sind Kursbewegungen der letzten Wochen ohne Aussagekraft. Wir haben stattdessen auf fünf Punkte geschaut:
- Löst es ein echtes Problem? Gibt es Menschen oder Unternehmen, die das Netzwerk nutzen, weil es ihnen etwas bringt, und nicht nur, um zu spekulieren?
- Wie lange läuft es schon? Ein Netzwerk, das mehrere Marktzyklen und Angriffe überstanden hat, hat etwas bewiesen, was ein zwei Jahre altes Projekt nicht beweisen kann.
- Wie viele bauen darauf? Entwickleraktivität und die Zahl der Anwendungen sagen mehr über die Zukunft aus als die Zahl der Anhänger in sozialen Netzwerken.
- Wie ist das Angebot verteilt? Liegt ein großer Teil der Einheiten bei wenigen Adressen, ist das ein Risiko, das unabhängig von der Technik besteht.
- Wie abhängig ist es von anderen? Ein Projekt, das nur innerhalb eines einzigen Netzwerks funktioniert, erbt dessen Risiken vollständig.
Die Reihenfolge unten folgt diesen Kriterien und nicht der Marktkapitalisierung. Sie ist keine Kaufempfehlung, sondern eine Einordnung, wie viel bei einem Projekt bereits belegt ist und wie viel noch Erwartung.
Die zehn Kryptowährungen
Zu jedem Projekt steht, was es tut, was dafür spricht und was dagegen. Der Abschnitt mit den Gegenargumenten ist der wichtigere von beiden.
Bitcoin
Das Fundament, an dem sich alles andere misst
Bitcoin ist das älteste und mit Abstand am längsten erprobte Krypto-Netzwerk. Die feste Obergrenze von 21 Millionen Einheiten ist im Protokoll verankert und lässt sich nicht ohne Zustimmung der Netzwerkteilnehmer ändern. Genau diese Knappheit ist das Argument, das Bitcoin von allem anderen in dieser Liste unterscheidet: Es ist das einzige Projekt, dessen Geldpolitik seit über fünfzehn Jahren unverändert läuft.
- Gestartet
- 2009
- Maximale Menge
- 21 Millionen
- Konsens
- Proof of Work
- Rolle
- Wertaufbewahrung
Was dafür spricht
- Längste unveränderte Historie im gesamten Markt
- Feste Obergrenze von 21 Millionen
- Höchste Liquidität, überall handelbar
- Als einziges Krypto-Asset breit institutionell akzeptiert
Was dagegen spricht
- Kaum Funktionen über den Werttransfer hinaus
- Hoher Energieeinsatz, ein wiederkehrender Kritikpunkt
- Rückgänge von 70 Prozent und mehr sind historisch normal
Ethereum
Die Plattform, auf der die meisten Anwendungen laufen
Ethereum hat programmierbare Verträge in die Breite gebracht und ist bis heute die Plattform, auf der der Großteil dezentraler Anwendungen läuft. Mit dem Wechsel auf Proof of Stake ist der Energieverbrauch drastisch gesunken, und Inhaber können ihre Bestände staken. Die Wette bei Ethereum ist eine andere als bei Bitcoin: Nicht Knappheit steht im Vordergrund, sondern die Frage, ob die Plattform ihre Rolle als Basisschicht behält.
- Gestartet
- 2015
- Konsens
- Proof of Stake
- Besonderheit
- Smart Contracts
- Rolle
- Anwendungsplattform
Was dafür spricht
- Größtes Entwickler-Ökosystem im gesamten Sektor
- Basisschicht für DeFi, Stablecoins und Tokenisierung
- Staking-Erträge ohne Verkauf der Bestände
Was dagegen spricht
- Konkurrenz durch schnellere Netzwerke wächst
- Gebühren auf der Hauptkette können stark schwanken
- Komplexe technische Roadmap mit Umsetzungsrisiko
Solana
Geschwindigkeit als wichtigstes Verkaufsargument
Solana ist auf Durchsatz gebaut und schafft Tausende Transaktionen pro Sekunde bei Gebühren, die praktisch nicht ins Gewicht fallen. Das hat dem Netzwerk die Anwendungen gebracht, für die hohe Gebühren ein Ausschlusskriterium sind, etwa Handel mit kleinen Beträgen und Zahlungen. Der Preis dafür waren in der Vergangenheit mehrere Netzwerkausfälle, die in dieser Form bei Bitcoin und Ethereum nicht vorkamen.
- Gestartet
- 2020
- Konsens
- Proof of Stake und Proof of History
- Gebühr je Transaktion
- meist unter 0,01 €
- Rolle
- schnelle Anwendungsschicht
Was dafür spricht
- Sehr hohe Geschwindigkeit bei minimalen Gebühren
- Stark wachsendes Ökosystem an Anwendungen
- Staking direkt im Netzwerk möglich
Was dagegen spricht
- Wiederholte Netzwerkausfälle in der Vergangenheit
- Weniger Validatoren, dadurch stärker zentralisiert
- Kürzere Historie als die beiden Großen
XRP
Auf Zahlungsverkehr zwischen Instituten ausgerichtet
XRP verfolgt ein enger gefasstes Ziel als die meisten Projekte in dieser Liste: schnelle und billige Überweisungen über Landesgrenzen hinweg, gedacht als Alternative zu bestehenden Bankensystemen. Transaktionen sind in Sekunden abgeschlossen und kosten praktisch nichts. Die entscheidende Frage bleibt, wie viele Institute die Technik tatsächlich einsetzen statt sie nur zu testen.
- Gestartet
- 2012
- Kosten je Transaktion
- unter 0,01 €
- Abwicklung
- wenige Sekunden
- Rolle
- grenzüberschreitende Zahlungen
Was dafür spricht
- Sehr schnelle und günstige Abwicklung
- Klar umrissener Anwendungsfall
- Lange Marktpräsenz und hohe Liquidität
Was dagegen spricht
- Stark von der Übernahme durch Institute abhängig
- Großer Teil des Angebots bei wenigen Adressen
- Regulatorische Auseinandersetzungen prägten die Historie
Chainlink
Die Brücke zwischen Blockchain und Außenwelt
Smart Contracts können von sich aus nichts über die Welt außerhalb ihrer Blockchain wissen. Chainlink liefert genau das: geprüfte Kursdaten, Wetterdaten, Zinssätze. Ohne solche Oracles funktioniert praktisch keine Anwendung, die auf echte Zahlen angewiesen ist. Das macht Chainlink zu einer Infrastrukturwette: Es geht weniger um eine einzelne Anwendung als um die Frage, ob der Sektor insgesamt wächst.
- Gestartet
- 2017
- Funktion
- dezentrale Oracles
- Erweiterung
- Cross-Chain-Protokoll
- Rolle
- Infrastruktur
Was dafür spricht
- Wird von einem Großteil der DeFi-Anwendungen genutzt
- Nicht auf ein einzelnes Netzwerk festgelegt
- Profitiert vom Wachstum des gesamten Sektors
Was dagegen spricht
- Wert hängt an der Nutzung durch andere Projekte
- Konkurrierende Oracle-Anbieter drängen nach
- Zusammenhang zwischen Nutzung und Token-Preis ist indirekt
Hyperliquid
Handelsplatz auf einer eigenen Blockchain
Hyperliquid betreibt einen Handelsplatz für Terminkontrakte auf einer eigenen Blockchain und erreicht dabei eine Geschwindigkeit, die sonst nur zentrale Börsen bieten. Der Reiz liegt darin, dass die Verwahrung beim Nutzer bleibt. Das Projekt ist mit Abstand das jüngste in dieser Liste, und die Historie ist entsprechend kurz.
- Gestartet
- 2023
- Typ
- dezentraler Handelsplatz
- Besonderheit
- eigene Layer-1-Kette
- Rolle
- Handel ohne Verwahrer
Was dafür spricht
- Verbindet Geschwindigkeit mit eigener Verwahrung
- Schnell wachsendes Handelsvolumen
- Eigene Blockchain statt Aufsatz auf fremder Infrastruktur
Was dagegen spricht
- Sehr kurze Historie, kaum Erfahrung mit Stressphasen
- Stark von der Nachfrage nach Terminhandel abhängig
- Regulatorische Einordnung dezentraler Terminbörsen ist offen
Render
Rechenleistung für Grafik und KI
Render verbindet Menschen mit ungenutzten Grafikkarten mit denen, die Rechenleistung brauchen, etwa für 3D-Animation, Filmproduktion oder das Training von KI-Modellen. Der Anwendungsfall ist unmittelbar verständlich und liegt außerhalb der Finanzwelt, was in diesem Sektor selten ist. Gleichzeitig steht das Projekt in Konkurrenz zu den großen Rechenzentrumsanbietern.
- Gestartet
- 2017
- Funktion
- verteiltes GPU-Netzwerk
- Anwendung
- 3D, Film, KI-Training
- Rolle
- Rechenmarktplatz
Was dafür spricht
- Konkreter Anwendungsfall außerhalb der Finanzwelt
- Profitiert vom wachsenden Bedarf an Rechenleistung
- Bestehende Nutzerbasis in der Kreativbranche
Was dagegen spricht
- Konkurrenz durch große Cloud-Anbieter
- Nachfrage schwankt mit den Zyklen der KI-Branche
- Nutzung des Netzwerks ist schwer von außen zu prüfen
Injective
Blockchain speziell für Finanzanwendungen
Injective ist eine eigene Blockchain, die ausschließlich auf Finanzanwendungen ausgerichtet ist: Handel, Derivate, synthetische Werte. Statt eine Allzweckplattform zu sein, ist alles auf diesen einen Bereich zugeschnitten. Das ergibt technische Vorteile, macht das Projekt aber auch abhängig davon, dass dieser Bereich wächst.
- Gestartet
- 2018
- Typ
- Layer-1-Blockchain
- Schwerpunkt
- Handel und Derivate
- Rolle
- Finanzinfrastruktur
Was dafür spricht
- Klar auf einen Anwendungsbereich zugeschnitten
- Verbindungen zu mehreren anderen Netzwerken
- Aktive Entwicklung über mehrere Jahre
Was dagegen spricht
- Kleineres Ökosystem als die großen Plattformen
- Abhängig vom Wachstum dezentraler Finanzanwendungen
- Starke Konkurrenz in genau diesem Segment
Jupiter
Der zentrale Umschlagplatz im Solana-Ökosystem
Jupiter bündelt die Liquidität verschiedener Handelsplätze auf Solana und sucht für jeden Tausch automatisch den besten Weg. Für Nutzer bedeutet das bessere Kurse, ohne mehrere Plattformen vergleichen zu müssen. Der Wert des Projekts hängt damit direkt daran, wie aktiv auf Solana gehandelt wird.
- Gestartet
- 2021
- Funktion
- Liquiditäts-Aggregator
- Netzwerk
- Solana
- Rolle
- Handelsinfrastruktur
Was dafür spricht
- Zentrale Rolle im Solana-Ökosystem
- Direkt an der Handelsaktivität beteiligt
- Hoher Marktanteil im eigenen Netzwerk
Was dagegen spricht
- Vollständig von einem einzigen Netzwerk abhängig
- Handelsvolumen schwankt stark mit der Marktstimmung
- Aggregatoren sind grundsätzlich austauschbar
Raydium
Handelsplatz der ersten Stunde auf Solana
Raydium ist einer der ältesten Handelsplätze auf Solana und stellt einen erheblichen Teil der Liquidität im Netzwerk bereit. Neue Projekte starten dort regelmäßig ihre ersten Handelspaare. Damit steht und fällt das Projekt mit der Aktivität auf Solana, und es steht dort in direkter Konkurrenz zu Jupiter und anderen.
- Gestartet
- 2021
- Typ
- dezentraler Handelsplatz
- Netzwerk
- Solana
- Rolle
- Liquidität
Was dafür spricht
- Etablierter Handelsplatz mit langer Präsenz auf Solana
- Wichtige Rolle bei neuen Projektstarts
- Erträge aus Handelsgebühren
Was dagegen spricht
- Direkte Konkurrenz innerhalb des eigenen Netzwerks
- Vollständig von Solana abhängig
- Volumen bricht in ruhigen Marktphasen stark ein
Alle zehn Kryptowährungen sind bei Bitvavo in Euro handelbar, mit Gebühren ab 0,15 Prozent und kostenloser SEPA-Einzahlung.
Zu BitvavoWie du ein Portfolio aufbaust
Die häufigste Frage ist nicht, welche Coins man kauft, sondern in welchem Verhältnis. Ein Ansatz, der sich in der Praxis bewährt hat, teilt das Depot in einen Kern und eine kleinere Beimischung.
- Kern. Bitcoin und Ethereum, weil sie die längste Historie und die höchste Liquidität haben. Bei vielen Anlegern macht das den Großteil des Depots aus.
- Beimischung. Einzelne Projekte aus der Liste oben, jedes mit einem kleinen Anteil. Die Faustregel: Wenn dich der Totalausfall einer einzelnen Position ernsthaft treffen würde, ist sie zu groß.
- Regelmäßig statt auf einen Schlag. Ein monatlicher Betrag verteilt den Einstiegszeitpunkt und nimmt die Frage nach dem richtigen Moment aus der Gleichung. Fast alle hier genannten Anbieter bieten dafür einen Sparplan.
- Vorsicht beim Umschichten. Ein Rebalancing klingt vernünftig, löst in Deutschland aber ein Veräußerungsgeschäft aus, wenn die Haltefrist noch nicht abgelaufen ist. Rechne die Steuer mit, bevor du umschichtest.
Wo die Coins liegen sollten
Über einen Zeitraum von Jahren ist die Frage der Verwahrung wichtiger als die Auswahl der Coins. Solange die Bestände auf einer Börse liegen, verwahrt der Anbieter die Schlüssel, und eine Einlagensicherung wie bei Bankguthaben gibt es für Kryptowährungen nicht.
Für kleine Beträge und regelmäßige Käufe ist die Börse praktisch. Ab einer Summe, deren Verlust wehtun würde, gehören die Coins auf eine Hardware-Wallet. Wichtig dabei: Der Wiederherstellungssatz aus zwölf oder vierundzwanzig Wörtern ist der eigentliche Zugang. Wer ihn verliert, verliert alles; wer ihn abfotografiert und in der Cloud speichert, hat den Schutz wieder aufgehoben.
Häufige Fragen
Welche Kryptowährung ist für Anfänger am besten?
Wie viele verschiedene Coins sollte ich halten?
Sind Gewinne nach einem Jahr wirklich steuerfrei?
Sollte ich alles auf einmal kaufen oder monatlich?
Was passiert, wenn ein Projekt scheitert?
Wo kaufe ich diese Kryptowährungen?
Fazit
Langfristig anzulegen heißt bei Kryptowährungen vor allem, Phasen auszuhalten, in denen das Depot deutlich im Minus steht. Bitcoin und Ethereum haben mehrere solcher Phasen überstanden, alles andere in dieser Liste noch nicht in derselben Zahl.
Die drei Entscheidungen, die am Ende mehr ausmachen als die Auswahl der Coins: eine Summe wählen, deren Verlust du verkraften kannst; regelmäßig statt auf einen Schlag kaufen; und die Bestände so verwahren, dass du nicht von der Zukunft eines einzelnen Anbieters abhängst.