Ethereum: Wahlen der Zukunft?

Wahlen mit der Ethereum-Blockchain; hört sich nach einer großartigen Idee an, da dadurch Wahlbetrug aufgedeckt und eine größere Transparenz geschaffen werden könnte.

In der Praxis ist so ein Vorhaben jedoch schwierig umzusetzen, wenn die Stimmenabgabe einer Person anonym und geheim bleiben soll und außerdem keine weitere Partei zur Auszählung und Übermittlung gebraucht werden soll.

Es gibt zwar schon einige Wahl-Apps, wie die Blockchain Voting Machine, Follow My Vote oder TIVI, die die Blockchain als Wahlurne nutzen, aber bei all diesen Apps wird eine weitere Partei zur Auszählung benötigt, um das Wahlgeheimnis zu wahren.

Während der Financial Cryptography and Data Security Conference in Malta in dieser Woche sprach ein Doktorand von der Newcastle University in England und ließ seine Zuhörer bei seiner Idee, die keine unabhängige Partei bei Wahlen mit der Blockchain benötigen würde, aufhorchen.

Patrick McCorry entwickelte das Open Vote Network, welches mit einem Smartcontract arbeitet und bei dem Ethereum die Arbeit einer dritten Partei übernimmt.

Diese Lösung sei ideal für kleinere Wahlen, wie zum Beispiel Vorstandswahlen.

Er erklärte seine Idee wie folgt:

„Jeder gibt seine Stimme verschlüsselt ab. Und dann am Ende der Wahl, nachdem alle gestimmt haben, kann jeder, wie zum Beispiel ein Beobachter, einfach die verschlüsselten Stimmen zusammenzählen. Dabei werden alle anderen Faktoren, außer der Wahl selbst, außer Acht gelassen.“

Weitere Hürden

Als McCorry und seine Forscherkollegen mit dem Projekt anfingen, standen sie zunächst vor zwei großen Problemen.

Das erste Problem war, dass die Ethereum-Plattform keine Auszählung bis zur letzten Stimmenabgabe ermöglichte. Folglich wären eine Teilnehmerquote von 100% die Grundvoraussetzung für eine Wahl. Das zweite Problem war, dass Wähler vor ihrer Wahl in der Lage waren, die Stimmverteilung zu sehen, welches das Wahlverhalten beeinflussen hätte können.

Trotzdem fand das Team von Open Vote Network mithilfe von Ethereum und Kryptographie einen Weg, beide Probleme aus der Welt zu schaffen.

Das System funktioniert nun so: ein Wahlhelfer schickt Ethereum eine „White List“ mit den Wählern. Die Wähler müssen sich dann für die Wahl registrieren und einen kleinen Geldbetrag überweisen. Die Wähler haben eine gewisse Zeit, um zu wählen und erhalten nach der Abgabe ihrer Stimme den Geldbetrag zurück.

Bei der Abgabe der Stimme wird die getroffenen Entscheidung verschlüsselt zum Ethereum-Netzwerk geschickt. Sobald alle Wähler gewählt haben (oder das Zeitfenster zur Wahl geschlossen ist), errechnet das System die Stimmenverteilung und die Wähler bleiben dabei anonym.

Sobald ein Wähler seine Stimme abgegeben hat, kann er diese nicht mehr ändern.

McCorry begründet dies damit, dass Wähler sich nach der Verkündung des Ergebnisses oft dem Gruppenzwang beugen und ebenfalls den Gewinner unterstützen wollen. Da die Wähler das Ergebnis in dem System direkt nach der Wahl einsehen können, könnte die Möglichkeit einer Stimmänderung das Wahlergebnis verfälschen.

Die Zukunft

McCorry ist der festen Überzeugung, dass eines Tages die meisten Wahlen dezentralisiert stattfinden werden.

„Wir wollten zeigen, dass dezentralisierte Wahlen möglich sind. Schon seit Jahren wird in der Fachliteratur darüber gesprochen, doch bis jetzt hat es keiner umgesetzt“, sagte McCorry.

McCorry und sein Team werden auf jeden Fall weiter an der Blockchain auch für größere Wahlen forschen.

Englische Originalversion

Image via Unsplash

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